Berlin - Noch ist die Halle am Groß-Berliner-Damm 90 in Adlershof weitgehend leer. 1 000 Quadratmeter Fläche, auf denen vorerst nur drei bullige Verdichter auf Paletten gelagert sind unter dem hohen Dach des funktionalen Industriegebäudes. Im November soll hier die Arbeit richtig losgehen: Es wartet schon das erste Projekt, das hier am Standort im Südosten Berlins von Polar Refrigeration realisiert werden soll: Kälteanlagen, die nach Russland gehen werden.

Passenderweise wünscht sich der Prokurist der Gesellschaft, Sergej Karpow, am Montag vor Ort, dass es möglichst keine weiteren Sanktionen gegen Russland geben möge. Zusammen mit Geschäftsführer Nizar M. Taha, der zugleich der Chef der Holding TIG ist, zu der Polar gehört, weiht er am frühen Nachmittag den neuen Produktionsstandort von Polar Refrigeration ein.

Der Schwerpunkt der 2011 gegründeten Firma ist die Entwicklung und Bau von energieeffizienter Kälteausrüstung für die Öl- und Gasindustrie, dem Energiesektor und der chemischen Industrie, dagegen nicht für die Lebensmittelindustrie oder den privaten Hausgebrauch. Es seien auf den Kunden zugeschnittene Anlagen, „keine Standardprodukte“, betont Karpow. Im nächsten Jahr sollen um die 40 Mitarbeiter bei Polar arbeiten.

Zunehmende Nachfrage

Damit baut wieder ein Industrie-Unternehmen sein Geschäft in der Hauptstadt aus. Den Kommunikationschef des angrenzenden Wissenschafts- und Technologieparks Wista, Peter Strunk, freut’s. „Wir haben hier zunehmend Nachfragen von Firmen, die vom Namen Adlershof und den Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Technologiefirmen angezogen werden.“ Damit könnte sich entlang des Groß-Berliner Damms eine Kette von miteinander kooperierenden Firmen entwickeln.

60 Hektar Boden Entwicklungsfläche stünden noch zur Verfügung – alles „sauber durchgesiebter Boden“, damit keine gefährlichen und bedenklichen Rückstände aus vergangenen Zeiten mehr vorhanden sind. Denn das Gelände war früher Teil des ehemaligen Flugplatzes Johannisthal, der einst als einer der ersten Flugplätze Deutschlands 1909 eröffnet worden war. In den nachfolgenden Jahren waren etliche Flugzeugbau-Firmen auf dem Areal beheimatet, später diente es auch als Versuchsfeld zur geheimen Aufrüstung der Wehrmacht. Offiziell geschlossen und umgewidmet wurde das Gelände erst 1995.

Mehr als 1 000 Mitarbeiter

TIG-Chef Taha erklärt in seiner Rede, warum ein Unternehmen aus Dubai, mit Sitz in unmittelbarer Nähe von Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt, sich mit einer seiner Firmen in Deutschland und in Berlin ansiedelt: Es sei vor allem die hohe Qualität der Produkte in Deutschland für die Entscheidung ausschlaggebend gewesen. Für Berlin spreche außerdem , dass es eine internationale, multikulturelle Stadt sei, die nicht teuer sei. Und in Adlershof gebe es eine schnelle Verbindung zu wissenschaftlichen Ressourcen im Wista-Park. Zudem könne man bei Bedarf noch expandieren, Platz sei genug vorhanden.

Die TIG-Gruppe aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ist schon einige Zeit im Bereich der Kältetechnik aktiv. Das erste Unternehmen im Konzern wurde 1969 gegründet. „Von den bescheidenen Anfängen im Nahen Osten“, wie es in der Holding heißt, wuchs der Familienbetrieb auf aktuell mehr als 1 000 Mitarbeiter in zehn Ländern der Welt. Die Gruppe ist zudem auch im Bereich Immobilien tätig, demnächst seien auch Investments in der Solarbranche geplant, sagt Nizar M. Taha.

Mit Polar Refrigeration kommt die Kältetechnik zurück nach Adlershof. Denn zu DDR-Zeiten und auch noch nach der Einheit produzierte am Segelfliegerdamm das Unternehmen Kühlautomat Berlin, bis nach dem Verkauf 1996 das Werksgelände geräumt wurde.