Wasser statt Papier.
Foto: Happypo

BerlinOliver Elsoud klingt am Telefon gut gelaunt und sehr zufrieden. Das ist selten, wenn man in diesen Tagen mit Unternehmern spricht. Aber für den 35-Jährigen, dessen Firma sogenannte Po-Duschen vertreibt, läuft es derzeit tatsächlich besser als je zuvor. Hatten sich die Mobil-Bidets im Coladosen-Format bislang eher mäßig verkauft, so befeuert nun das Coronavirus mit seinen Nebenwirkungen das Geschäft in kaum geahntem Maß. Plötzlich ist jeder vor leeren Klopapierregalen stehende Drogerie- und Supermarktkunde ein potenzieller Käufer der Elsoud'schen Papier-Alternative. „Unsere Zeit ist gekommen“, sagt der Chef und Gründer der Neuköllner Firma Happypo.

Das Unternehmen gibt es bereits seit drei Jahren. 2017 hatte Oliver Elsoud die Firma zusammen mit Frank Schmischke gegründet. Das Startkapital kam aus den eigenen Taschen und einer Crowdfunding-Kampagne, die 20.000 Euro einbrachte. Von Berlin aus sollte der von Hakle, Zewa und Co. dominierte Markt der Analhygiene mit einer Plastik-Spritzflasche samt Duschkopf aufgemischt werden.

Investorin hält ein Viertel der Firma 

Dafür verschaffte den beiden Jungunternehmern ein Auftritt in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ Bekanntheit und darüber hinaus auch weiteres Kapital. Der Investorin Dagmar Wöhrl gefiel die Geschäftsidee. Sie bot den Gründern 120.000 Euro für ein Viertel ihrer Firma. Die beiden willigten ein. Zudem öffneten sich neue Vertriebskanäle. Die Drogeriemarktkette dm nahm das Berliner Produkt ins Sortiment auf.  

Das Bidet für jedermann haben Elsoud und Schmischke selbst entwickelt und gestaltet. Produziert wird in China. Lange vor der aktuellen Klopapiernot ging es den beiden nach eigenem Bekunden darum, eine hygienische sowie umweltschonende Alternative zum Toilettenpapier zu bieten. Fachärzte würden den Ersatz von Papier durch die Wasserdusche empfehlen, sagt Elsoud. Außerdem könne der Verbrauch von Papier auf etwa ein Viertel gesenkt werden, was tatsächlich nicht unerheblich wäre. Jedenfalls geht aus einer Studie des Industrieverbands für Körperpflege und Waschmittel hervor, dass jeder Bundesbürger im Jahr 46 Rollen Toilettenpapier benutzt. In der Summe werden also jährlich weit mehr als drei Milliarden Rollen Klopapier durch die Fallrohre in die Kanalisation gespült werden.

Die Firmengründer Frank Schmischke und Oliver Elsoud.
Foto: Happypo

Nun ist es etwas weniger. Denn seit das Klopapier rar ist, wachsen bei Happypo die Bestellungen. „Die Nachfrage geht durch die Decke“, sagt der Happypo-Chef. Der Umsatz habe sich mehr als versiebenfacht. Genaue Umsatzzahlen nennt er allerdings nicht, wird dann aber etwas präziser: „Die Absatzzahlen sind nun fünf- statt vierstellig.“

Am deutlichsten sei die Nachfrage in Deutschland gestiegen. In den USA seien die Berliner Duschen ständig ausverkauft. Probleme, den schlagartig gestiegenen Bedarf zu decken, sieht man bei Happypo dennoch nicht. Man habe genug Vorrat. Auch sei die Lieferkette nicht durch die Corona-Krise beeinträchtigt. Die Produktion in China laufe stabil. Gerade sei man dabei, den Vertrieb in Australien aufzubauen. „Läuft prima“, sagt Elsoud. In bester Laune.