Potenzmittel: Preissturz bei Viagra

Die einen nennen sie die blaue Bombe, andere sprechen lieber von Herrenkapsel, Bumsbohne oder Pornflakes. Gemeint ist immer Viagra, die blaue Pille, die Männern ihre sexuelle Potenz zurückgibt. Vor fast 15 Jahren kam das Arzneimittel in Deutschland auf den Markt und war zeitweise das Gesprächsthema überhaupt, sehr ungewöhnlich für ein Arzneimittel. Nun hat Viagra den Patentschutz verloren. In der Nacht zum Sonnabend ist er abgelaufen. Ab sofort können auch andere Unternehmen das Erfolgsprodukt herstellen und in den hiesigen Apotheken verkaufen.

„Wenn die Logistik klappt, haben wir schon am Sonnabend mit hoher Wahrscheinlichkeit Viagra-Generika in den Apotheken“,  sagt Bork Bretthauer, Geschäftsführer des Verbandes Pro Generika.  28 Hersteller wollen künftig Medikamente mit dem Viagra-Wirkstoff Sildenafil auf den Markt bringen. Der dadurch ausgelöste Wettbewerb wird die Preise sinken lassen. Das werden auch die Pfizer-Rivalen Bayer und Eli Lilly spüren, die mit Cialis und Levitra eigene Potenzmittel auf dem Markt haben.

Einen Vorgeschmack auf den Preissturz hat Pfizer selbst geliefert. Seit Anfang Juni verkauft der Konzern Viagra unter anderem Namen deutlich billiger. Wer statt zu einer Viererpackung Viagra zu Sildenafil Pfizer 25 mg Filmtabletten  greift, bekommt in der Apotheke das gleiche Produkt statt für 44 Euro für nur 15 Euro. Damit hat sich Pfizer  für den Wettbewerb aufgestellt.   Von den zwei  Milliarden Dollar Umsatz  mit Viagra wird Pfizer – wenn weltweit die Patente ausgelaufen sind –  wohl trotzdem nicht viel bleiben.

Mittel gegen Bluthochdruck

Den Erfolg mit Viagra hat Pfizer dem Zufall zu verdanken. Der Wirkstoff  Sildenafil wurde einst als Mittel gegen Bluthochdruck und Angina pectoris erforscht – bis Testteilnehmer unerwartet Erektionen hatten. Also ließ Pfizer das mit der Angina pectoris und dem Bluthochdruck und entwickelte ein Mittel zur Behandlung der erektilen Dysfunktion, wie es fachmännisch heißt. Es war nicht das erste Mal, dass aus einer unerwarteten Nebenwirkung  ein neues Medikament entstand.

Zur Behandlung von Impotenz existierte bis dahin  kaum eine Therapiemöglichkeit. Das Geschäft versprach deshalb für Pfizer attraktiv zu werden. Alleine in Deutschland leiden etwa zehn Prozent der 40- bis 49-Jährigen unter Impotenz, bei den 50- bis 59-Jährigen sind es 16 Prozent, bei den 60- bis 69-Jährigen 34 Prozent und  bei Männern über 70 über die Hälfte.

Einigen von ihnen dürfte Viagra bislang zu teuer gewesen sein. Das ist nun vermutlich vorbei. Ein Blick auf die Preise für den Viagra-Rohstoff Sildenafilcitrat zeigt, wie billig die Potenzpille werden könnte. Im Jahr 2004  – derzeit ist keine andere Zahl öffentlich bekannt – machte der Rohstoff nur 0,26 Prozent des Verkaufspreises von Viagra aus, nämlich 3,3 Cent pro Tablette.

Ein heftiger Preisverfall wird vermutlich den Verbrauch steigen lassen. Mehr Männer könnten häufiger zur Potenzpille greifen. Zudem sinkt der Anreiz, vermeintliches Viagra in dubiosen Internetapotheken zu bestellen. Bei Probekäufen in Internetshops waren bis zu 95 Prozent der blauen Pillen gefälscht. Oft genug enthielten sie minderwertige und teils lebensgefährliche Stoffe. Nun könnte dieser Schwarzmarkt austrocknen. Auch er war Teil des Erfolgs von Viagra.