Preisanstieg: In Europa werden die Eier knapp

Wegen der stark gestiegenen Marktpreise für Eier erwarten die deutschen Eierproduzenten Millionenverluste. Auch die Pleite von Betrieben wird für möglich gehalten. „Die Landschaft wird sich verändern“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Eier Union, Günter Scheper, der Berliner Zeitung. Er kritisiert die Verwerfungen am Eiermarkt.

In ganz Europa sind Eier knapper geworden. Denn mit dem Ende des vergangenen Jahres ist eine zwölfjährige Frist für die Modernisierung der Käfighaltung abgelaufen. Mit den neuen Käfigen sollten die Hühner mehr Platz bekommen, mit Sitzstangen, Streu und Nestern. Nach Erkenntnissen der EU-Kommission werden in 13 Ländern aber noch immer rund 46 Millionen Hennen in herkömmlichen Käfigen gehalten. Ihre Eier stehen dem europäischen Markt nicht mehr zur Verfügung.

Ansturm in Grenzgebieten

Durch die Umstellung sinkt zudem vorübergehend die Zahl der gehaltenen Hennen. Das geringere Angebot treibt auf den internationalen Märkten die Preise in die Höhe. Da nur etwa 70 Prozent der hierzulande verkauften Eier aus deutscher Produktion kommen, trifft das auch Deutschland.

In Deutschland werden die Verbraucher die gestiegenen Preise jedoch nicht im Portemonnaie spüren. Denn die Lebensmittel-Einzelhändler haben langfristige Verträge zu fixen Preisen mit den Lieferanten. Sie müssen nicht auf dem freien Markt zu den Tagespreisen einkaufen. Im Ausland aber belasten die hohen Preise die Konsumenten. Einkaufsgemeinschaften von Privatpersonen, Restaurants, Bäckereien und sogar Großhändler stürmen deshalb die deutschen Läden und kaufen palettenweise Eier zu günstigen Preisen ein. Zum Vergleich: In Deutschland kosten zehn Eier aus Bodenhaltung im Discounter 1,09 Euro. In Tschechien gibt’s die gleiche Menge Eier aus Käfighaltung für 2,50.

In den deutschen Grenzgebieten hat der Umsatz mit Eiern nach Angaben der Deutschen Eier Union um bis zu 500 Prozent zugelegt. Für die Lieferanten ist das eine Katastrophe. Denn sie haben sich in den Verträgen mit den Supermärkten und Discountern verpflichtet, die Versorgung mit Eiern sicherzustellen. Wenn ihnen dafür die Ware fehlt, müssen sie sich diese auf dem freien Markt besorgen. Dort entlädt sich der internationale Preisdruck. Seit Januar haben sich die Preise knapp verdoppelt. Kostete ein Ei aus Bodenhaltung der Klasse M damals noch 7,5 Cent, lag der Preis zuletzt bei fast 15 Cent. Diese Aufschläge können die Produzenten aufgrund der Festpreise nicht an die Einzelhändler weitergeben.

Künstliche Angebotsverknappung

Der freie Markt ist aufgrund seiner Größe ausgesprochen volatil. In Deutschland wird nur jedes fünfte bis zehnte Ei zu Tagespreisen gehandelt, schätzt Scheper. Steigende Nachfragen oder Lieferausfälle treiben die Preise deshalb schnell stark nach oben. Das fördert auch die Spekulation. Erkennen Großhändler und Erzeuger Preisrallys, halten sie Ware so lange es geht vom freien Handel fern. Die künstliche Angebotsverknappung lässt die Eier jeden Tag noch wertvoller werden.

Die Zeche bezahlen neben den Lieferanten auch Bäckereien oder Nudelhersteller, die gar keine Lieferverträge mit Herstellern haben oder nur für einen Teil ihres Bedarfs. Für Nudelhersteller zum Beispiel habe die Entwicklung inzwischen „dramatische Formen angenommen“, meint Alexander Jess, Geschäftsführer des Verbands der Teigwarenhersteller. Allerdings können die Hersteller vorübergehend dem Preisdruck ausweichen, indem sie die Produktion von Waren mit viel Ei-Bedarf reduzieren oder einstellen und Lagerbestände verkaufen.

Das aber ist das Problem der Großkunden. Privatpersonen können sich auf ein ruhiges Ostern mit ausreichend Eiern zu günstigen Preisen einstellen. Leere Regale dürfte es im schlimmsten Fall höchstens kurzzeitig und nur in Grenzregionen geben, wo ausländische Kunden große Mengen kaufen.

Erste Supermärkte haben darauf bereits reagiert, indem sie nur noch haushaltsübliche Mengen abgeben. „Der Endverbraucher muss keine Hamsterkäufe tätigen, es gibt genug Eier zu Ostern“, sagt Eier-Händler Scheper.