Preisanstieg: Lebensmittel werden teurer

Fast die Hälfte mehr für Kartoffeln, knapp ein Drittel mehr für Butter. Wer Äpfel einkauft, zahlt über ein Fünftel mehr als vor einem Jahr. Verbraucher müssen derzeit den stärksten Preisanstieg für Lebensmittel seit über vier Jahren verkraften. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, kosteten Nahrungsmittel im Juli durchschnittlich 5,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Für Gemüse mussten die Deutschen beinahe zwölf Prozent mehr zahlen, für Obst elf Prozent und für Eier sieben Prozent. Vergleichsweise gut sieht es für Fleischliebhaber aus, die vier Prozent mehr zahlen. Tomaten kosten in etwa so viel wie vor zwölf Monaten.

Lebensmittel treiben die Inflation an

Für die deutschen Konsumenten heißt das, sich umzustellen. Lange Zeit hatten sie sich an ausgesprochen günstige Lebensmittelpreise gewöhnt. Über Jahre hinweg stiegen zwar die Verbraucherpreise insgesamt an, doch die fürs Essen stagnierten häufig oder gingen sogar zurück. Erst 2007 drehte sich die Tendenz um. Seitdem treiben Lebensmittel die Inflation an, statt sie wie früher zu dämpfen.

Die Aussichten, dass die alten Zeiten zurückkehren und es im Supermarkt bald wieder billiger werden könnte, stehen schlecht. „Wir haben nicht nur Wetterkapriolen, die die Ernten beeinträchtigen, sondern durch den wachsenden Wohlstand in Schwellenländern wie China auch eine steigende Nachfrage nach Agrarrohstoffen“, erklärte der Sprecher des Handelsverbandes HDE.

Daher kommen zwei Faktoren zusammen. Der harte, lange Winter, das regenreiche Frühjahr und der heiße Sommer haben die Preise für heimische Saisonprodukte wie Erdbeeren hochschnellen lassen. Das könnte, wenn das Wetter mitspielt, nächstes Jahr wieder ganz anders aussehen. Langfristig aber macht sich bemerkbar, dass sich auf der Erde mehr Menschen hochwertige Lebensmittel wie Fleisch oder Käse leisten können. Zudem werden immer mehr wertvolle Ackerflächen verwandt, um Rohstoffe für die Energieerzeugung zu produzieren. Folglich rechnet die Welternährungsorganisation FAO mit einer Fortsetzung des Trends auf den globalen Märkten. „Steigende Preise werden im kommenden Jahrzehnt sowohl für Getreide als auch für Vieh erwartet“, heißt es in einer Studie der FAO.

EZB sieht Stabilität noch nicht gefährdet

In Deutschland hat sich auch der allgemeine Preisauftrieb beschleunigt – auf 1,9 Prozent im Juli. Im Juni hatte er bei 1,8 Prozent gelegen, im Mai bei 1,5 Prozent. Allerdings bleibt die Inflation damit im Rahmen, den sich die Europäische Zentralbank (EZB) selbst gesteckt hat. Sie sieht die Stabilität erst gefährdet, wenn die Preise um zwei Prozent oder mehr steigen.

Angst vor einer gefährlichen Geldentwertung müssen sich die Deutschen daher nicht machen. „Echte Inflationsgefahren sind nicht in Sicht“, meint Andreas Rees, der Chefvolkswirt der Bank Unicredit in Deutschland. Auch Kerstin Bernroth vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gibt Entwarnung: „Der allgemeine Kostenanstieg für die Haushalte ist absolut vereinbar mit den Inflationszielen der EZB.“

Dies zeigt auch ein Blick auf die Kerninflationsrate, die den Preisanstieg für alle Waren außer Energie und Nahrungsmittel angibt und damit die Sonderfaktoren in diesen beiden schwankungsanfälligen Branchen ausklammert. Sie schwankt seit Monaten um 1,5 Prozent. Das ist für ein Land mit einer starken Konjunktur ein niedriger Wert. Weil die Euro-Zone weiter in der Krise steckt, denkt die EZB sogar daran, mit einer Zinssenkung die Geldpolitik noch einmal zu lockern.