Wen soll ein Privatdetektiv überwachen, wenn die Leute möglichst in ihren Wohnungen bleiben sollen? 
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BerlinMario Arndt ist privater Ermittler. Seine Detektei S.E.K.A. verzeichnet in diesen Tagen einen deutlichen Auftragsrückgang. Die Auswirkungen der Corona-Krise spürt Arndt aber auch in seiner Ermittlungsarbeit. Darüber sprach Andreas Förster mit dem Privatdetektiv.

Herr Arndt, Kontaktverbot und Ausgangsbeschränkungen sind sicher auch für einen Privatdetektiv unangenehm. Woran haben Sie in den letzten Tagen gearbeitet?

Ich habe zusammen mit meinem Sohn das Büro renoviert. Aber Spaß beiseite – die Corona-Krise beeinträchtigt natürlich erheblich meine Ermittlungen. Ich habe das vergangene Woche gemerkt: Das Telefon steht deutlich öfter still als sonst. Es kommen weniger Anfragen und weniger Aufträge rein. Da muss man eben das Beste draus machen, also Büroarbeit und eben auch mal renovieren.

Wie wird denn konkret Ihre Arbeit ausgebremst in diesen Tagen?

Ich bin spezialisiert auf Ermittlungen in nichtnatürlichen Todesfällen. Gerade arbeite ich zum Beispiel an einem Fall in Süddeutschland, wo das Opfer angeblich Selbstmord begangen hat, meine Auftraggeber und ich aber der Überzeugung sind, es handelt sich um Mord. Ich habe jetzt die Genehmigung von der Staatsanwaltschaft, Asservate für die Spurensicherung in Empfang zu nehmen. Aber bei der zuständigen Behörde ist gerade niemand, der mir die Asservate aushändigen könnte. Und so bleibt der Fall erst einmal liegen, ich kann nicht daran weiterarbeiten und werde so lange auch nicht bezahlt.

Können Sie das mit Ermittlungen in anderen Fällen ausgleichen?

Auch da gibt es Probleme. Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Aufklärung von Produktpiraterie. Ich spüre da zum Beispiel Verkäufer im Internet auf, die gefälschte Markenprodukte verkaufen. Da kann ich viel vom Schreibtisch aus machen. Doch wenn ich dann Kontakt aufnehmen und mich als interessierten Käufer ausgeben will, der größere Mengen ordern möchte, wird es kompliziert. Im internationalen Geschäft brauche ich dazu eine gewerbliche Legende, also eine Firma mit gültiger Umsatzsteuernummer. Im aktuellen Fall habe ich bei der zuständigen Finanzbehörde hier in Deutschland einen Antrag gestellt auf Zuteilung dieser Nummer. Das dauert in der Regel 24 Stunden. Nun sagt mir die Behörde, wegen Corona ist die Arbeit heruntergefahren worden, ich muss warten. Und das tue ich jetzt seit 14 Tagen. Das heißt, seit zwei Wochen komme ich mit dem Auftrag nicht voran.

Und das Geld dafür kommt natürlich auch erst nach Abschluss des Auftrages, oder?

So ist es. Durch die eingeschränkte Arbeitsweise der Behörden verzögert sich meine Arbeit, ich kann Aufträge nicht fertigstellen und verdiene solange kein Geld. Mit dem Fall von Produktpiraterie etwa wäre ich unter normalen Umständen Ende März fertig gewesen. Jetzt muss ich schauen, ob ich es bis Mai schaffe. Vorher gibt’s kein Geld.

Sie kennen sich in der Branche aus, arbeiten mitunter auch mit anderen Ermittlern zusammen, Einzelkämpfern wie Sie, die aber zum Teil anders gelegene Fälle bearbeiten. Was hören Sie von denen in dieser Zeit?

Die haben auch Probleme, etwa, wenn es um Aufträge aus der Wirtschaft geht. Wenn sie zum Beispiel Firmenmitarbeitern observieren sollen, die im Verdacht stehen, unzulässige Kontakte zur Konkurrenz zu unterhalten – das geht gerade gar nicht. Die Leute arbeiten daheim und gehen höchstens mal einkaufen, und wenn sich da ständig ein Observateur vor dem Haus rumdrückt, dann fällt das natürlich auf. Außerdem werden kaum persönliche Termine wahrgenommen. Auch Observationen über Landesgrenzen hinweg sind momentan faktisch unmöglich. Andere Kollegen, die zum Beispiel Ehebrecher überwachen sollen, haben so gut wie gar nichts zu tun. Es geht gerade keiner mehr fremd. Na klar: Wenn du den ganzen Tag zuhause bleiben sollst, kannst du deinem Partner schlecht vermitteln, warum du jetzt mal für zwei, drei Stunden verschwinden willst.

Und wie geht es größeren Detekteien, die auch Sicherheitsservice anbieten?

Die haben schwere Probleme, denn ihnen fallen viele große Aufträge weg. Konzerte, Veranstaltungen, Sportevents – überall dort sind diese Firmen mit Absicherung und Einlasskontrollen beauftragt. Wenn das alles nun aber ausfällt, sind auch diese Aufträge perdu. Einigermaßen aufgefangen werden kann das mit zusätzlichen Sicherheitsaufgaben an Baumärkten und Einkaufsmärkten, wo Mitarbeiter jetzt Einlasskontrollen übernehmen. Aber die Verluste im Veranstaltungsservice gleicht das natürlich nicht aus.

Was glauben Sie, wie wird sich nach der Pandemie die Auftragslage für Sie und Ihre Kollegen entwickeln?

Ich bin eher skeptisch. Viele Unternehmen geraten in dieser Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten, da wird man eher Dinge zurückstellen, die man sonst gern von Ermittlern oder Detekteien geklärt hätte. Fragen der Unternehmenssicherheit etwa: Absicherung von Produktionsstandorten, Datensicherheit, Überprüfung von Personen, die in leitende Positionen eingestellt werden sollen, und so weiter. Solche Dienstleistungen kosten Geld, und da setzen Firmen den Rotstift an. Ich höre von Kollegen, dass es schon jetzt einen spürbaren Auftragsrückgang gibt. Und auch im privaten Bereich wird man wohl mit einem Auftragsrückgang rechnen müssen.