Berlin - Die Niedrigzinsen bereiten den privaten Krankenversicherungen größere Probleme als bisher bekannt. Für alle neun Millionen Versicherten bedeutet das massive Beitragserhöhungen in den nächsten Jahren. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor.

Demnach ist erstmals keiner der 37 Krankenversicherer mehr in der Lage, in den nächsten Jahren die einst gemachten Zusagen für die Verzinsung der Altersreserven am Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Zum Ausgleich sind die Unternehmen gezwungen, die Beiträge anzuheben. Andernfalls reichen die Rücklagen nicht aus, um die steigenden Krankheitskosten im Alter abzufedern.

Jahrzehntelang hatte die private Krankenversicherung mit einer Verzinsung von 3,5 Prozent kalkuliert und diesen Wert im Branchenschnitt sogar überschritten. Seit der Finanzkrise 2008 haben jedoch immer mehr Versicherer Probleme, diese Gewinne am Kapitalmarkt zu erreichen. Die Niedrigzinsphase verschärft die Entwicklung.

2013 wurde von der Finanzaufsicht schon für 17 Unternehmen festgestellt, dass sie den Wert künftig nicht mehr schaffen. In diesem Jahr prognostizierte die Finanzaufsicht nach Angaben der Bundesregierung, dass nunmehr alle 37 Unternehmen die 3,5 Prozent im übernächsten Jahr nicht mehr sicherstellen können.

Linke will Private abschaffen

Der Linken-Gesundheitspolitiker Harald Weinberg sagte dieser Zeitung, die Daten zeigten, dass sich die private Krankenversicherung auf dem absteigenden Ast befinde. „Wer bei diesen Zahlen noch eine Überlegenheit kapitalgedeckter Versicherungssysteme gegenüber umlagefinanzierter Systeme konstruieren will, ist entweder realitätsfremd oder Lobbyist“, sagte er.

Eine geordnete Abschaffung der privaten Krankenversicherung und die Einführung einer Bürgerversicherung wäre das Beste für alle Versicherten in Deutschland, so der Linken-Politiker.