Abreißen, entkernen, anders nutzen – etwa als Schwimmbad oder Flüchtlingsheim: Beobachter fordern für den BER einen radikalen Neuanfang. Doch die Verantwortlichen bleiben standhaft. „Es ist besser, fertig zu bauen. Wir werden das hinkriegen“, sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld am Montag am Rande des Sonderausschusses BER in Potsdam. Forderungen nach einem Abbruch „helfen überhaupt nichts“. Kurz darauf wurde allerdings bekannt, dass im BER bereits abgerissen wird. Rund 30 Wände im Terminal müssen neu gebaut werden. Sie wurden zwar als Brandschutzwände geplant, erfüllen die Bestimmungen jedoch nicht. Weitere 570 Wände werden geöffnet und verstärkt – ebenfalls aus Gründen des Brandschutzes, sagte Berlins Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup (SPD).

Keine Meilensteine erreicht

Längst meinen nicht nur viele Bürger, dass es besser wäre, den BER neu zu bauen. Die Verantwortlichen müssten „vom toten Pferd absteigen, bevor weitere Milliarden verbrannt werden“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen der Bild-Zeitung. „Auch ein Neubau darf kein Tabu sein.“ Oder das Terminal müsste entkernt und neu ausgebaut werden.

Unsinn, konterte Mühlenfeld. „Die Kosten wären immens, auch der Zeitverlust.“ Die vielen Milliarden Euro, die in das Projekt gesteckt worden sind, wären verloren. Einen Neustart könne man nur fordern, „wenn man der Meinung ist, dass wir noch zehn Jahre mit Tegel und Schönefeld leben sollten“.

Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD) sagte, dass ein Neubeginn das Projekt um fünf bis sieben Jahre verzögern würde. „Sie brauchen eine Abriss-, eine Neubaugenehmigung und eine Änderung des Planfeststellungsbeschlusses.“ Er fürchtet ebenfalls hohe Kosten – auch weil die Tegel-Anwohner ein Recht auf Lärmschutz hätten, wenn dieser Airport länger aufbliebe. Gesetzliche Ausnahmeregelungen enden – je nach Sichtweise 2017 oder 2019.

Selbst die Opposition ging auf Distanz zu Koeppen. „Das ist nicht die Meinung der CDU-Fraktion“, sagte der CDU-Verkehrspolitiker Rainer Genilke in Potsdam. „Der Flughafen kann fertig gestellt werden – und das muss man angehen.“
Doch zuvor muss erst mal abgerissen werden. Im Potsdamer Sonderausschuss sprach Mühlenfeld von rund 600 Wänden, die eingerissen werden müssten. Allerdings war die Zahl offenbar nicht korrekt. „Die Kommunikation ist eine Katastrophe“, hieß es aus Senatskreisen.

Am Abend meldete sich der Berliner Flughafenkoordinator, Baustaatssekretär Engelbert Lütke Daldrup , und erklärte: Nur ein kleiner Teil müsse neu gebaut werden. Es handele sich um Gasbetonsteine, die mit Mörtel verfugt worden seien – was bei Brandschutzwänden nicht zulässig wäre. In den meisten Fällen könnten die Wände jedoch stehen bleiben, kleinere Eingriffe genügten, sagte Lütke Daldrup. Dort seien bei Trassensanierungen Leitungen neu gezogen worden. Es reiche aus, die Wände nach diesen Eingriffen mit einem oder zwei Blechen zu verstärken.

Ventilatoren werden angegurtet

Trotz der nachgeschobenen Erklärung: Der Eindruck bleibt, dass es am BER nur holprig voran geht. Mühlenfelds Bericht von der Baustelle war wenig ermutigend. „Im August gab es nicht so viel Fortschritt, im September noch weniger“, sagte er. Die Planung und der Bau der Entrauchungsanlage liegen weit hinter dem Plan zurück.

Am Montag wurde auch bekannt, dass die stählernen Arbeitsbühnen unter dem Terminaldach nicht nur für die fünf großen, 4 061 Kilo schweren Rauchgasventilatoren zu schwach seien, sondern auch für die kleinen Ventilatoren, die 2 331 Kilo wiegen. Nun seien Verstärkungen geplant, Ventilatoren werden angegurtet, hieß es. Allerdings dürften diese Geräte vorerst nicht betrieben werden.

Insgesamt liegen die Arbeiten um drei bis vier Monate hinter dem Plan. „Weitere Verzögerungsrisiken bestehen“, hieß es in Mühlenfelds Präsentation. Er gehe aber weiterhin davon aus, dass es möglich sei, den Flughafen im zweiten Halbjahr 2017 fertigzustellen, sagte Mühlenfeld. Sicher nicht zu Beginn des Halbjahres – „aber später“.