Halle - Um die staatliche Förderung für das einstige Solar-Vorzeigeunternehmen Q-Cells zeichnet sich ein Insiderskandal ab. Die landeseigene Investitionsbeteiligungsgesellschaft (IBG) hatte sich im Jahr 2000 an der damals aufstrebenden Firma aus Bitterfeld mit acht Millionen D-Mark beteiligt. Das Problem: Der damalige IBG-Chef Dinnies Johannes von der Osten hatte bereits privat eine stille Beteiligung an Q-Cells, diese aber nicht öffentlich gemacht.

Wie das Handelsblatt berichtet, hatte von der Osten seine Q-Cells-Anteile in einer eigenen Gesellschaft von einem Freund treuhänderisch verwalten lassen. Es handelte sich um den Berliner Rechtsanwalt Thomas van Aubel, der Q-Cells mitgegründet hatte und dort lange Jahre Aufsichtsratschef war. Laut Handelsblatt verkauften von der Osten, van Aubel und dessen Frau nach dem Börsengang von Q-Cells Anteile an der Firma im Wert von mehr als hundert Millionen Euro. Der Kurs von Q-Cells war nach dem Börsenstart 2005 durch die Decke gegangen; 2012 ging die Firma aber wegen der asiatischen Billig-Konkurrenz in die Knie und musste Insolvenz anmelden. Mittlerweile gehört Q-Cells zu dem südkoreanischen Konzern Hanwha.

Von der Osten war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Das Landes-Finanzministerium als IBG-Gesellschafterin sieht den „Verdacht eines gravierenden Interessenkonflikts“. IBG-Aufsichtsratschef, Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU), lässt den Vorgang juristisch prüfen. Zur Debatte steht, ob von der Osten gegen vertragliche Regelungen verstoßen hat. Strafrechtlich von Belang ist der Fall offenbar nicht. Bei der Magdeburger Staatsanwaltschaft war im März gegen von der Osten eine anonyme Anzeige wegen Subventionsbetruges eingegangen. Seinerzeit wurden die Ermittlungen aber aus Mangel an Beweisen eingestellt.