Berlin - Die Zerschlagung der Deutschen Bank zu fordern, trauten sich früher nur linke Demonstranten, die durch das Frankfurter Finanzviertel zogen. Möglicherweise erfüllt der Konzern  seinen schärfsten Kritikern  bald diesen Wunsch. Deutschlands größtes Geldhaus und das einzig verbliebene Institut mit globalem Anspruch steht vor der Aufspaltung. Auf jeden Fall  wird die Deutsche Bank schrumpfen, weil es die Führungsriege so will.  Die Deutsche Bank, wie wir sie kennen, dürfte bald der Geschichte angehören. 

Nicht die Protestierer  von Attac oder andere Bankenkritiker  haben diesen Sinneswandel  ausgelöst. Der Druck kommt von der ganz anderen Seite, den Aktionären. An den Finanzmärkten gilt Deutschlands Branchenprimus als Scheinriese. Mit Renditen, die im Branchenvergleich als lächerlich niedrig gelten, büßte er  massiv an Attraktivität  ein. Der Aufsichtsrat lässt mehrere Strategien prüfen, die das Unternehmen zu alter Stärke führen sollen.

Aufspaltung der Bank

Die besten  Chancen hat  offenbar die Aufspaltung der Bank. Der eine Teil würde das besonders umstrittene Investmentbanking sowie die Vermögensverwaltung für sehr reiche Kunden weiterführen. Das Privatkundengeschäft würde davon abgetrennt und in eine eigene Gesellschaft überführt. Die könnte entweder an die Börse gebracht oder direkt an einen Konkurrenten verkauft werden. Gut möglich, dass sich die Deutsche Bank eine Minderheitsbeteiligung erhalten würde, aber eben nicht mehr.

Für die Arbeitnehmer könnte dies sogar die beste Lösung sein, da dabei die geringsten Stellenstreichungen zu erwarten wären. Die Deutsche Bank würde so zurückfinden zu ihren Wurzeln und könnte so als Unternehmerbank deutsche Firmen bei deren Exportaktivitäten rund die Welt begleiten. Die Veräußerung der Privatkundenaktivitäten  brächte Geld in die Kassen,  mit dem sich das Eigenkapital aufstocken ließe. Das liegt so niedrig, dass die Bank die Vorgaben der Aufsicht nur mit Mühe erfüllt.

Was geschieht mit der Postbank?

Die Alternative lautet, doch die  Bank als Universalbank mit Investment- und Privatkundensparte zu erhalten.  Die  Frage ist, was in dem Fall mit der Tochter Postbank geschieht. Sie könnte   verkauft werden. Oder sie würde in die  Privatkundenabteilung der Deutschen Bank integriert.  Dann aber wären viele Stellen  in der Postbank-Verwaltung in Bonn überflüssig, weshalb die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat dagegen Widerstand leisten.

Wahrscheinlicher ist, dass die Deutsche dem Branchentrend folgt und ihren Status als breit aufgestellte Universalbank beendet. Davon haben sich viele prominente Vertreter wie beispielsweise die Schweizer UBS oder die britische Barclays-Gruppe bereits verabschiedet.

Noch prüft der Aufsichtsrat die verschiedenen Varianten. Aber die Kontrolleure sind sich einig, dass kosmetische Änderungen kaum reichen werden. Sollte die Deutsche Bank sich freiwillig aufspalten, hätte allerdings ihr Co-Chef Anshu Jain ein Problem, diesen Kurswechsel zu erklären. Vor zwei Jahren hatte er noch betont: „Das Universalbank-System ist das Beste für Deutschland.“ und: „Die Trennung des Geschäfts mit Privatkunden vom Investmentbanking wäre ein enormer Schaden für die deutsche Volkswirtschaft und Gesellschaft.“