Rana Plaza-Katastrophe: Mordanklagen gegen Eigentümer

Es war die größte Fabrikunfall in der Geschichte von Bangladesch. Am Morgen des 24. April 2013 kollabierte der Gebäudekomplex Rana Plaza, in dem Dutzende Textilfirmen untergebracht waren. 1127 Menschen wurden getötet, 2438 zum Teil schwer verletzt. Nun soll Mordanklage unter anderem gegen den Fabrikbesitzer Sohel Rana erhoben werden.

Ob es sich tatsächlich um Mord handelt, muss die dortige Justiz entscheiden. Aber die schwere des Vorwurfs scheint gerechtfertigt. Das Gebäude war unterdimensioniert, auf jedem Stockwerk standen riesige Dieselgeneratoren und nicht weniger schwere Boiler, die den Dampf für die Bügelstationen liefern.  Bereits Tage vor der Katastrophe stellten Arbeiter Risse in den Wänden fest und weigerten sich, in das Gebäude zu gehen. Doch die Fabrikbetreiber trieben die Näherinnen dennoch zu ihren Arbeitsplätzen, obwohl die Schäden nicht zu übersehen waren.

Die mutmaßliche Schuld der Fabrikbesitzer ist aber nur die Hälfte der Wahrheit. Versagt haben die staatlichen Institutionen in Bangladesch. Ganze 19 Arbeitsschutz-Kontrolleure waren bis zur Rana-Plaza-Katastrophe dafür zuständig, die mehr als 5000 Textilfirmen zu überwachen. Sie hatten nicht einmal Fahrzeuge, um zu den Fabriken zu kommen.  Um eine Aufarbeitung drückt sich die politische Kaste. Kein Politiker oder Staatsbeamter ist bisher zur Verantwortung gezogen worden. Die Anklage gegen den Fabrikbesitzer kann erst der Anfang sein.