Das Volkswagen-Logo.
Foto: imago images/Reiner Zensen

BerlinRassismus hat in Deutschland keinen Platz. Das ist eine von den meisten Bürgern geteilte Überzeugung, die sich allzu oft als Floskel entpuppt. Immer wieder gibt es üble Fälle von Alltagsrassismus. Zuletzt galt das für den Werbeclip von VW, in dem eine riesige weiße Hand einen schwarzen Mann vor sich herschiebt und in einen Hauseingang schnippt. Dann purzeln die Buchstaben der Werbung für den neuen Golf so durcheinander, dass kurz das Wort „Neger“ erscheint. So ein Video zu produzieren, zeugt entweder von gezieltem Rassismus oder von grenzenloser Naivität. Da könne kein „absichtlicher Rassismus“ dahinter stecken, sagte ein dazu befragter Werbefachmann. Daran könne Volkswagen kein Interesse haben. Dafür spricht das Unverständnis, mit dem das Unternehmen zunächst auf Empörung im Netz reagierte.

Doch genau das zeigt die Dimension des Problems. Dass den Verantwortlichen in der Werbeagentur und bei VW der hetzerische Charakter des Videos gar nicht aufgefallen ist, offenbart, wie weit sich diese Art von Alltagsrassismus in unsere Köpfe vorgefressen hat. Ähnliches hat ein südkoreanisches Paar in einer Berliner U-Bahn erlebt, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Es wurde von einer Gruppe junger Leute mit Sprüchen wie „Happy Corona“ belästigt und fühlte sich wegen seiner asiatischen Herkunft rassistisch angegriffen. Doch keiner der anderen Fahrgäste half dem Paar, und die herbeigerufenen Polizisten konnten keinen Rassismus erkennen. Wieder keine Absicht? VW hat den Clip löschen lassen, sich entschuldigt und erklärt, man schäme sich. Fakt aber ist: Rassismus hat längst viel Platz in unserer Gesellschaft erobert. Und wenn er sich tarnt, muss er erst recht entlarvt werden.