Berlin - Eltern haben viele Unkosten. In der Corona-Zeit kamen Ausgaben fürs Homeschooling und häufig auch für Nachhilfe für die Kinder hinzu. Wer für 2020 eine Steuererklärung abgibt, kann einige Steuervorteile nutzen. Steuerpflichtige ohne Steuerberater müssen ihre Steuererklärung 2020 sogar erst bis zum 31. Oktober 2021 statt bis Ende Juli abgeben. Die Frist wurde verlängert. Steuerpflichtige mit Steuerberater haben bis zum 31. Mai 2022 Zeit, statt bis Ende Februar 2022. Wer freiwillig eine Erklärung abgibt, sogar bis zum 31.12.2024. Wir erklären, auf welche Angaben insbesondere Familien und Alleinerziehende achten können. 

Kindergeld oder Freibetrag

Um Eltern oder Alleinerziehende zu unterstützen, bietet der Staat ihnen bis zum 18. Lebensjahr des Kindes zwei verschiedene Arten finanzieller Förderung: Zum einen zahlt er Kindergeld und zuletzt wegen der besonderen Anforderungen während der Pandemie einen Kinderbonus. Zum anderen kann ein Kinderfreibetrag mit der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Im Jahr 2020 zahlte der Gesetzgeber fürs erste und zweite Kind je 219 Euro Kindergeld, fürs dritte 225 Euro und für jedes weitere Kind 250 Euro im Monat – steuerfrei. Außerdem wurden für jedes Kind, das mindestens einen Monat lang Anspruch auf Kindergeld hatte, ein Kinderbonus von 300 Euro an Eltern oder Alleinerziehende überwiesen. Insgesamt erhielten sie bei einem Kind im vergangenen Jahr somit 2928 Euro vom Staat.

Alternativ können Eltern den Kinderfreibetrag (7812 Euro für Paare, 3906 Euro für Personen in Steuerklasse 1 oder 2) in Anspruch nehmen. Voraussetzung ist, dass eine Steuererklärung abgegeben wird. Was günstiger ist, hat Stiftung Warentest berechnet: Wenn Ehepaare mit einem Kind mehr als 77500 Euro Einkommen verdienen, profitieren sie mehr vom Freibetrag als vom Kindergeld und Kinderbonus. Bei Alleinerziehenden gilt das, wenn sie mehr als 39000 Euro Einkommen haben. Vorher müssen die absetzbaren Kosten herausgerechnet werden.

Was für den Steuerzahler vorteilhafter ist, ermittelt das Finanzamt bei der Günstigerprüfung. Ist der Freibetrag besser, werden das Kindergeld und der Kinderbonus abgezogen. Beides einzustreichen, ist nicht möglich.

Was viele nicht wissen: „Das Kindergeld und der Kinderfreibetrag können übers 18. Lebensjahr hinaus verlängert werden“, sagt Dennis Konrad von ExpressSteuer, einem Online-Dienstleister für Steuererklärungen. Wenn das Kind eine Schulausbildung macht, eine Lehre absolviert oder studiert, zahlt der Staat jedoch weiter. Das gilt auch fürs Duale Studium. Die Verlängerung muss beantragt werden. Wenn Sohn oder Tochter den 25. Geburtstag feiern, endet die Unterstützung.

Betreuungsgeld

Kinder müssen betreut werden. Der Staat erkennt Ausgaben zu diesem Zweck an – egal ob sie für die Kita, den Kindergarten, einen Schulhort, eine Tagesmutter oder ein Aupair verwendet werden. Es können jeweils zwei Drittel der Ausgaben geltend gemacht werden – insgesamt 4000 Euro pro Jahr. Wichtig ist, die Kosten zu dokumentieren. Das gilt auch für eine betreuende Oma oder andere Verwandte. Also: eine Rechnung ausstellen und das Geld überweisen. Dann erkennt das Finanzamt die Zahlung als Betreuungskosten in der Regel an.

Ausgaben fürs Homeschooling

Wer für seine Kinder einen Laptop oder ein Tablet angeschafft hat, um das Lernen zu Hause zu erleichtern, kann diese Kosten nicht von der Steuer absetzen. „Das Steuerrecht bietet keine Möglichkeit, um Kosten für die technische Ausstattung der eigenen Kinder geltend zu machen“, erklärt die Vereinigte Lohnsteuerhilfe auf ihrer Webseite. Das Gleiche gelte bei Strom, Gas, Telefon und Internet. Als finanzielle Förderung sei der Kinderbonus vom Staat gezahlt worden.

Steuerklasse

Ehepaare fühlen sich häufig vor das Problem gestellt, ob sie als Paar Steuerklasse 3 und 5 oder 4 und 4 wählen sollen. Konrad klärt auf, dass die Entscheidung im Grunde ohne finanzielle Konsequenzen ist. „Das Finanzamt berechnet am Ende des Jahres die fällige Steuer. Diese ist unabhängig von der Wahl der Steuerklassen“, sagt er. Der Unterschied sei, dass bei Paaren, die beide in Steuerklasse 4 sind, vom Arbeitgeber übers Jahr mehr Geld ans Finanzamt abgeführt wird. „Dadurch kann es eher zu einer Rückzahlung kommen.“ Bei Paaren, die in Steuerklasse 1 und 3 sind, ist es die umgekehrte Situation: Sie haben weniger Abzüge, müssen aber nach dem Jahresabschluss eventuell Rückzahlungen leisten. Konrad betont, dass es keine pauschale Lösung gibt. Jeder Fall werde individuell bewertet.

Entlastungsbetrag

Alleinerziehenden empfiehlt Konrad, sich in Steuerklasse 2 eintragen zu lassen. „Dann können sie direkt über die Gehaltsabrechnung den Entlastungsbetrag erhalten“, sagt er. Insgesamt 4008 Euro betrug er 2020 fürs erste Kind, für jedes weitere Kind kommen 240 Euro hinzu. Wer die Steuerklasse wechseln und den Entlastungsbetrag in Anspruch nehmen will, kann dies mithilfe der „Versicherungserklärung zum Entlastungsbetrag“ (formulare-bfinv.de) dem Finanzamt formal mitteilen.

Konrad gibt zu bedenken, dass viele Unternehmen alleinerziehende Mitarbeiter in Steuerklasse 1 eingruppieren. „Ich rate dazu, den Gehaltsbogen dahingehend zu überprüfen.“ Wer die Steuerklasse korrigiert, kann den Entlastungsbetrag auch rückwirkend erhalten.

Alleinerziehend ist nach dem Gesetz, wer allein in einem Haushalt lebt und sein Kind oder seine Kinder allein betreut. Ein Partner darf dort – nach dem Steuerrecht – nicht dauerhaft ansässig sein. „Wenn der Partner in der Wohnung gemeldet ist, kann das Finanzamt das nachprüfen“, sagt Konrad.