Es gibt Titel, die schmücken. Exportweltmeister, das klang ja mal schön. Jetzt klagt die EU-Kommission, Deutschlands Ausfuhrüberschuss brächten die anderen Euro-Staaten aus dem Gleichgewicht. Auch der andere Titel, den Europa vergibt, bringt nicht nur Freude: Nettozahler-Europameister Deutschland, Boulevard und Europakritiker werden das im kommenden Europawahlkampf genüsslich gern zitieren. Auch deshalb veröffentlicht die EU-Kommission manche Papiere so klammheimlich.

Das Feilschen um den Haushalt hat Europa perfektioniert. Zwei Gipfel und zweieinhalb Nächte brauchten die EU-Staats- und Regierungschefs um sich auf einen neuen Finanzrahmen für die Jahre 2014 bis 2020 zu einigen. Begleitet von sehr viel Medienwirbel. Gemessen daran ist es sehr erstaunlich, dass die EU-Kommission den Jahresabschluss für das Jahr 2012 eher heimlich still und leise veröffentlicht. Wobei von veröffentlichen keine Rede sein kann. Er wird einfach ausgelegt in der Kommission. 123 Seiten hat das schmale Bändchen, gespickt voller Zahlen. Und die bergen einige Brisanz. Wer zahlt am meisten Geld ein? Wer profitiert am stärksten von der EU? Die Champions können nun gekürt werden.

Nettozahler-Europameister

Deutschland bleibt Nettozahler-Europameister, 11,95 Milliarden Euro hat der Bund im vergangenen Jahr mehr nach Brüssel überwiesen als er von der EU erhalten hat, das sind knapp 2,9 Milliarden Euro mehr als im Jahr 2011. Gemessen an der Wirtschaftskraft aber zahlen andere mehr. Schweden zahlte für die Mitgliedschaft in der EU 2012 zwar nominal lediglich 1,93 Milliarden Euro, das entspricht aber 0,46 Prozent seiner Wirtschaftskraft. Zahleuropameister. Zweiter in der Rangfolge ist Dänemark mit 0,45 Prozent (nominal 1,13 Milliarden Euro). Deutschland liegt mit 0,44 Prozent auf Rang 3, gefolgt von Frankreich mit 0,40 Prozent (nominal 8,30 Milliarden Euro).

Wo einige zahlen, müssen andere auch etwas erhalten. Die baltischen Staaten profitieren gemessen an ihrer Wirtschaftskraft am stärksten von der EU. Estland erzielte 2012 einen Überschuss von 4,84 Prozent seiner Wirtschaftsleistung (nominal 0,79 Milliarden Euro), gefolgt von Litauen mit 4,82 Prozent (nominal 1,51 Milliarden Euro) und Lettland mit 4,29 Prozent der Wirtschaftskraft (nominal 0,96 Milliarden Euro). Größter Nettoempfänger 2012 ist Polen mit 11,99 Milliarden Euro. Und die Briten, zahlten im vergangenen Jahr 7,3 Milliarden drauf, 0,39 Prozent ihrer Wirtschaftskraft. Das werden wir alles bei den nächsten Etatberatungen wieder vorgerechnet bekommen. Nur eines sagt niemand: Dass sie uns das Wert sein sollte, die ganze EU.

Selbst die EU-Kommission, die sonst vieles bedeutungsschwer ankündigt, schweigt. Der Rechnungsabschluss ist das verschwiegenste Zahlenwerk des Jahres.