Verdi-Chef Frank Bsirske nennt Deutschland ein Steuerparadies für Erben, Vermögende und Spekulanten. Weil Steuermilliarden für marode Banken ausgegeben würden, fehle den öffentlichen Kassen Geld zulasten des Sozialstaates, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Die Globalisierungskritiker von Attac fordern „eine ehrliche Debatte“ über die Kosten der Finanzkrise sowie die ungleiche Verteilung von Reichtum im Lande.

Verdi, ATAC, Paritätischer und 20 weitere Verbände, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen wollen deshalb, dass mit deutlich steigenden Steuern auf Vermögen, Erbschaften, hohe Einkommen und Kapitalerträge bis zu 100 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich in die öffentlichen Kassen fließen. Bei SPD, Grünen und Linken trafen die Forderungen auf ein positives Echo.

Fakt ist: Bisher wurden die Lasten, die wegen der Finanz- und Schuldenkrise sowie der dadurch verursachten staatlichen Sparprogramme zu schultern waren, in Deutschland vor allem den Steuerzahlern aufgebürdet, in anderen EU-Staaten auch Rentnern, Beamten und öffentlich Bediensteten.

Begüterte Kreise wurden dagegen nicht speziell zur Kasse gebeten. Zudem stagniert seit der Jahrtausendwende die Kaufkraft der Masseneinkommen. Das reale Wirtschaftswachstum kam vor allem den reichsten zehn Prozent der Bevölkerung zugute, die mittlerweile knapp zwei Drittel des gesamten Privatvermögens ihr Eigen nennen.

Während die ärmere Hälfte der Deutschen nur über 1,4 Prozent des Reichtums verfügt, besitzen heute 0,1 Prozent der Menschen sagenhafte 22,5 Prozent aller privaten Sach- und Geldwerte, die 2011 einen Wert von 10,1 Billionen Euro erreichten. Zur dieser Entwicklung trugen Steuerreformen bei: 1997 wurde die Vermögensteuer außer Kraft gesetzt, nach 2000 sanken Einkommen- und Erbschaftsteuern mehrmals.

Hat Verdi-Chef Bsirske also recht, wenn er Steuererhöhungen für Reiche in Höhe von 54 Milliarden Euro fordert, dass die Zeit „reif für Umverteilung“ sei? Oder liegen Steuerzahlerbund und FDP richtig, wenn sie auf sprudelnde Steuereinnahmen der öffentlichen Hände verweisen und mehr Ausgabendisziplin verlangen? Wir geben einen Überblick der Steuerarten, mit denen „die Reichen“ zur Ader gelassen werden könnten: