Mit Mund-Nasen-Schutz steht Joachim Hartmann, Mitarbeiter der Deutschen Bahn, auf einem Bahnsteig im Hauptbahnhof. 
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BerlinEinen ersten Stresstest gab es bereits am vergangenen langen Wochenende: Vier freie Tage waren möglich für diejenigen, die sich den Freitag nach Christi Himmelfahrt als Brückentag freigenommen hatten. Zeit genug, um nach Wochen des Stillstands in der Corona-Krise mal wieder in den Zug zu steigen und wegzufahren. Mehr als 750.000 Reisende taten dies dann auch mit der Deutschen Bahn, wie der Konzern Anfang dieser Woche mitteilte.

Verglichen mit dem Vorjahr waren das lediglich halb so viele Kunden. Doch mit Blick auf die Vorwochen in der Corona-Krise bedeutete das einen erheblichen Anstieg für das Unternehmen. Um rund 90 Prozent waren die Fahrgastzahlen zuvor eingebrochen.

Sehr wahrscheinlich, dass die Zahl der Reisenden an Pfingsten nochmal steigen wird. Schließlich haben seit dieser Woche in ganz Deutschland wieder Hotels und Gaststätten auch für Gäste von außerhalb geöffnet. Tourismus ist also wieder möglich - trotz weiterhin steigender Infektionszahlen in der Corona-Krise.

„Wir stellen auch mit Blick aufs Pfingstwochenende fest, dass wir einen leichten Schritt nach oben machen“, sagte zu Beginn dieser Woche Berthold Huber, Personenverkehrsvorstand bei der Deutschen Bahn. Demnach seien die Züge am kommenden Wochenende aktuell zu 30 und 40 Prozent ausgebucht. Normal sei an Pfingsten ein Wert von mehr als 55 Prozent.

Weniger Unsicherheit bei den Passagieren, mehr Buchungen

„Es geht also langsam bergauf“, sagte Huber. „Wir merken, dass die Menschen anfangen, etwas sicherer zu werden und wieder längerfristig buchen.“ Wer wissen wolle, wie die Verbraucher sich fühlten, der müsse nur auf die Buchungen der Bahn schauen.

Um die Auslastung möglichst gleichmäßig auf alle Züge zu verteilen, hat die Bahn schon lange vor der Krise eine Auslastungsanzeige in der eigenen Buchungs-App installiert. Diese wird nun den neuen Bedingungen angepasst: Schon wenn ein Zug nur zur Hälfte ausgebucht ist, wird eine hohe Auslastung angezeigt - in der Hoffnung, dass weitere Kunden auf eine andere Fahrt ausweichen. Steigen die Buchungen weiter, könne auch der Ticketverkauf ausgesetzt werden, hieß es. Eine Reservierungspflicht soll es aber weiterhin nicht geben.

Zur Wahrung des Abstands sind Sitze im Wartebereich des Frankfurter Hauptbahnhof mit weiß-rotem Klebeband gesperrt worden. 
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Zudem erhöht der Konzern auch sein Angebot im Fernverkehr. Auf den Routen zwischen den großen Städten wie etwa zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet und weiter Richtung Süden sollen wieder Doppel- statt Einzelzüge eingesetzt werden. Damit werde sich das Sitzplatzangebot verdoppeln.

Huber ist zuversichtlich, dass sich das Fahrgastaufkommen mit diesen Maßnahmen gut steuern lasse. Täglich schaue er sich die Buchungszahlen an, sagte er mit Blick auf Pfingsten. „Wenn es irgendwo größere Probleme geben würde, wären mir die bekannt.“

Mund-Nase-Bedeckungen werden empfohlen

Die Deutsche Bahn empfiehlt allen Reisenden, Mund-Nase-Bedeckungen zu tragen. Eine Pflicht gibt es aber nicht. Die Klimaanlagen in den Zügen sorgten für einen schnellen und stetigen Luftaustausch, sagte Huber.

Für den Verbraucherzentrale Bundesverband reichen solche „beruhigenden Hinweise“ allerdings nicht aus. „Ein Ausfall oder Defekt einer Klimaanlage ist in Corona-Zeiten dann nicht mehr nur ärgerlich, sondern muss zu einer sofortigen Sperrung des Waggons führen“, teilte der Verband auf dpa-Anfrage mit. Er forderte zudem dazu auf, mehr Personal in den Zügen einzusetzen, um bei Problemen zu helfen und mögliche Konflikte zu entschärfen. „Nur auf soziale Kontrolle zu setzen, wird nicht ausreichen und kann Bahnfahren stressig machen.“