Lieber mit dem Fernbus als mit dem Flugzeug? FromAtoB bietet die Möglichkeit, Co2-arme Reisen zu planen. 
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BerlinJährlich 150 Millionen Fahrgäste im Fernverkehr der Deutschen Bahn, dazu mehr als 20 Millionen Nutzer von Flixbus und Flixtrain sowie viele Millionen Kunden der Fluggesellschaften – das ist die Zielgruppe von Gunnar Berning.

Denn der 46-jährige Wirtschaftsingenieur ist Chef des Unternehmens FromAtoB, einem Internetportal, über das sich Reisen planen und buchen lassen. FromAtoB errechnet wahlweise die schnellste oder die günstigste Verbindung von A nach B. Dabei empfiehlt das Portal nicht nur einzelne Verkehrsmittel, sondern verknüpft Bahn- und Fernbuslinien sowie Flugangebote miteinander, wie es die BVG-App mit Bus, Tram und U-Bahn tut.

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Sogar Mitfahrgelegenheiten von Blablacar werden eingebunden. Seit wenigen Wochen lässt sich eine Reise auch danach planen, welche Kohlendioxid-Emissionen die Reise hervorruft. „Das macht sonst keiner“, sagt Gunnar Berning. Neustart nach Insolvenz Drei Jahre haben die IT-Entwickler der inzwischen 100-köpfigen Firma an der Software dafür gearbeitet.

84 Prozent der Nutzer würden Co2-arme Reise nehmen

Laut Berning geht es vor allem um Reisen, bei denen mindestens 400 Kilometer zurückgelegt werden sollen. Beispiel Berlin–Paris: Dem klimabewussten Reisenden empfiehlt FromAtoB eine mehr als achtstündige Bahnfahrt für 80 Euro, die 26 Kilogramm Kohlendioxid verursachen soll. Mit dem Fernbus würden nur zwei Kilogramm CO2 mehr entstehen, auch wäre die Fahrt nur halb so teuer, doch würde sie über 18 Stunden dauern.

Ein Direktflug bräuchte dagegen nicht einmal zwei Stunden, kostete auch nur 86 Euro, schaufelte aber 195 Kilogramm CO2 auf das persönliche Konto zur negativen Klimaveränderung.

Kein sonderlich überraschendes Ergebnis, hat aber offenbar Wirkung. Denn Firmenangaben zufolge entscheiden sich 84 Prozent der Nutzer für die CO2-arme Reisemöglichkeit.

Berning führt das Unternehmen seit 2015 und hat auch die Tiefen der Firmenentwicklung erlebt. Denn die Konkurrenz im Geschäft ist groß und alles andere als kleinkalibrig. Das Berliner Unternehmen Omio zum Beispiel, das 2012 als GoEuro gegründet wurde, statteten Investoren mit 300 Millionen Euro aus. Heute ist es weltweit aktiv und zählt über 27 Millionen Nutzer in 120 Ländern.

FromAtoB will auch in Frankreich antreten

2018 musste das mit neun Millionen Euro vergleichsweise mager bestückte Start-up FromAtoB Insolvenz anmelden, nachdem eine Zwischenfinanzierung geplatzt war. Dann wurde das Portal aber vom Unternehmen Tank und Rast übernommen, das an deutschen Autobahnen etwa 360 Tankstellen und 410 Raststätten inklusive 50 Hotels betreibt.

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Für FromAtoB war es ein Neuanfang. Seitdem hat sich die Mitarbeiterzahl verdoppelt. Geld verdient das Unternehmen mit Vermittlungsprovisionen der Fluggesellschaften sowie Bus- und Bahnbetreiber.

Eine halbe Million Tickets wurden im vergangenen Jahr verkauft. In diesem Jahr sollen es doppelt so viele werden. Denn noch vor dem Sommer will das Unternehmen auch in Frankreich und in den Benelux-Staaten antreten.