Kaum ein anderes Vorhaben der großen Koalition ist so umstritten wie die Rente mit 63. Künftig sollen Arbeitnehmer, die 45 Jahre lang Rentenversicherungsbeiträge gezahlt haben, mit 63 Jahren ohne Abschläge in den Ruhestand gehen können. Dabei werden Zeiten der Arbeitslosigkeit als Beitragsjahre mitgezählt, wenn Anspruch auf das reguläre Arbeitslosengeld I bestand. Für diese langjährigen Beschäftigten entfällt die normalerweise fällige Rentenkürzung um 0,3 Prozent für jeden vorzeitigen Ruhestandsmonat.

Allerdings wird aus der Rente mit 63 bis 2029 schrittweise die Rente mit 65. Denn die Schwelle wird parallel zur allmählichen Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters von 65 auf 67 steigen. Die jährlichen Kosten des Vorhabens steigen von 900 Millionen Euro 2014 auf 1,9 Milliarden Euro 2015 bis auf 3,1 Milliarden im Jahr 2030. Aus Sicht der Befürworter bringt die Möglichkeit, nach 45 Beitragsjahren bereits zwei Jahre vor Erreichen der gesetzlichen Rentenalters ohne Abschläge in den Ruhestand zu treten, ein Stück Gerechtigkeit in ein von Kürzungen gebeuteltes Sozialsystem zurück. Kritiker sehen in der Rente mit 63 dagegen eine Rückkehr überwunden geglaubter und auf Dauer unfinanzierbarer Frühverrentungsanreize. Wie haben Hans-Jürgen Urban, Vorstandsmitglied der IG Metall, gebeten, fünf Argumente dafür zu nennen. Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Gesamtmetall, argumentiert fünf Mal dagegen. (sts.)