Ressourcen: Diese Stoffe braucht das Land

Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Rohstoffen wächst seit Jahrzehnten. Ungeachtet dessen sind Hunderttausende hiesiger Unternehmen in keiner Weise darauf vorbereitet, wenn Lieferungen für den Produktionsprozess benötigter Ressourcen plötzlich ausbleiben. Oftmals wissen die Firmen nicht einmal, von welchen Rohstoffen ihr Betrieb letztlich abhängt.

Einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge stünde jedes vierte kleinere Unternehmen in Deutschland dem Ausfall seiner Rohstoffversorgung weitgehend hilflos gegenüber. Im Mittelstand haben zehn Prozent Arbeitgeber keinen Plan B, wenn ihre Rohstoff-Lieferanten ausfallen, unter den Großkonzernen sind es immerhin gut sechs Prozent. Ein alles in allem alarmierender Befund.

Abhängigkeit hat zugenommen

Zwar erzielten hiesige Unternehmen in den vergangenen 20 Jahren erhebliche Fortschritte im effizienten Einsatz mit der wertvollen Substanzen. So ging der gesamte Rohstoffverbrauch in Deutschland zwischen 1994 und 2011 trotz Wirtschaftswachstums um zwölf Prozent zurück. Pro Einheit des Bruttosozialprodukts wurde sogar knapp ein Drittel der Rohstoffe eingespart. Zugleich aber nahm die Vielfalt der benötigten Ressourcen, etwa im Elektronikbereich, stark zu. „Vor 20 Jahren ging es um zehn bis 15 essenzielle Rohstoffe. Heute sprechen wir von mehreren Dutzend, die in vielen Bereichen benötigt werden, weshalb die Abhängigkeit unserer Wirtschaft insgesamt stark zugenommen hat“, erläutert IW-Experte Hubertus Bardt.

Gemeint ist die Abhängigkeit von anderen: Von Japan abgesehen ist keine andere hochindustrielle Volkswirtschaft so von Rohstoffimporten abhängig wie die deutsche. Dabei geht es nicht nur um Öl und Gas. Auch seltene Erden, Metalle und Mineralien sind für die Industrie unabdingbar, müssen aber fast vollständig eingeführt werden. Vielen hiesigen Herstellern ist gar nicht klar, wie sehr sie auf Rohstoffe angewiesen sind, die etwa in zugekauften Vorprodukten enthalten sind.

Gleiches mit Gleichem vergelten

Viele Industrieunternehmen haben daher langfristige Verträge mit mehreren Lieferanten geschlossen, um die Planungssicherheit zu erhöhen und notfalls über Ausweichmöglichkeiten zu verfügen. Ihre Sorge gilt eher den protektionistischen Tendenzen rohstoffexportierender Länder. Jedes zweite Unternehmen beklagte in der IW-Umfrage Wettbewerbsnachteile gegenüber Konkurrenten in rohstoffreichen Ländern. Dort würden heimische Firmen zu niedrigeren Preisen mit Rohstoffen versorgt, während die ausländische Konkurrenz unter Exportzöllen, Mengenbeschränkungen und Genehmigungsverfahren zu leiden haben, sagt Bardt. Es ist kein Geheimnis, dass sich die Kritik vor allem an China richtet.

Gleichwohl warnt das IW eindringlich davor, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Das Vorhaben der EU, gegen die Subventionierung chinesischer Solarmodulherstellung mit Strafzöllen zu antworten, berge die Gefahr eines Handelskrieges, der gerade die deutsche Wirtschaft hart träfe.