Eine Kreditkarte des Bezahldienstleisters Wirecard.
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Frankfurt/Aschheim/Berlin -Die Deutsche Bank will der Wirecard Bank nach dem Bilanzskandal des Mutterkonzerns Wirecard möglicherweise finanziell unter die Arme greifen. „Wir können uns grundsätzlich vorstellen, im Rahmen der Fortführung der Geschäftsaktivitäten diese Unterstützung zu gewähren, sofern es erforderlich werden sollte“, sagte ein Deutsche-Bank-Sprecher am Donnerstag laut dpa. Der Konzern sei dazu in Abstimmung mit der Finanzaufsicht Bafin, dem vorläufigen Insolvenzverwalter von Wirecard und der Wirecard Bank selbst.

Wie genau die Deutsche Bank eine solche Unterstützung gewähren würde und um welche Größenordnung es sich handelt, wollte der Sprecher nicht sagen. Wirecard hatte vergangene Woche nach einem milliardenschweren Bilanzskandal Insolvenz beantragt. Die zum Konzern gehörende Wirecard Bank ist von der Insolvenz nicht betroffen.

Das Unternehmen hat Hilfe dringend nötig: Am Donnerstag wurde bekannt, dass Wirecard wegen seines Bilanzskandals den wichtigsten Investor für große Zukunftsprojekte verlieren dürfte. Der japanische Softbank-Konzern plant offenbar die Zusammenarbeit zu beenden. So melden es mehrere deutsche und internationale Medien sowie die dpa. Eine offizielle Stellungnahme von Softbank gab es nicht.

Softbank wollte außerdem 900 Millionen Euro in Wirecard investieren, mit der Option, in fünf Jahren wichtiger Aktionär zu werden. Softbank hatte die angekündigten 900 Millionen Investition in Wirecard daher nicht mehr mit Geld des hauseigenen Vision Fund finanziert, sondern mithilfe externer Geldgeber. Von daher drohen Softbank nach den Angaben auch keine finanziellen Verluste.

Unterdessen haben nach der Muttergesellschaft Wirecard AG nun fünf Tochterfirmen Insolvenz angemeldet. Wie das Münchner Amtsgericht am Donnerstag mitteilte, ist auch für diese fünf Firmen der Rechtsanwalt Michael Jaffé als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt.

Zu den Firmen zählen unter anderem die Vertriebs- und Marketinggesellschaft Wirecard Global Sales und die Softwarefirma Wirecard Issuing Technologies.

Wirecard hatte Anfang vergangener Woche mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt, wenige Tage später folgte der Insolvenzantrag. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den zunächst zurückgetretenen und später vom Aufsichtsrat nachträglich fristlos gefeuerten Vorstandschef Markus Braun und andere Manager.

Die Aufarbeitung des Skandals war am Mittwoch Thema im Finanzausschuss des Bundestages. Der Auftritt von Bafin-Chef Felix Hufeld wurde mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Aus dem Ausschuss ist zu vernehmen, dass parteiübergreifend mehr Dynamik in der Bafin gewünscht wird. Zur Aufklärung konnte Hufeld offenbar nicht betragen. „Bafin-Chef Hufeld hat sich bei der Anhörung mehrfach in Widersprüche verwickelt“, sagte Fabio De Masi von der Linken der Berliner Zeitung. Auch die passive Rolle des für die Behördenaufsicht zuständigen Ministeriums wurde registriert. De Masi: „Das Bundesfinanzministerium hat sich in eine Zuschauerrolle begeben, obwohl dort die Behördenaufsicht für die Bafin liegt.“ Wann und wie es weitergeht ist offen. De Masi: „Wir warten jetzt auf die schriftlichen Antworten auf unsere Fragen. Danach werden wir entscheiden, welche Schritte als nächstes zur Aufklärung nötig sind.“ (BLZ/mit dpa)

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