Rishi Sunak: In normalen Zeiten ein Aufsteiger-Märchen

Der neue britische Premierminister bekommt keine Schonfrist. Das Land ist in einer schweren Schulden-Krise.

Rishi Sunak (M.) wird neuer britischer Premierminister. Der ehemalige Finanzminister tritt die Nachfolge von Liz Truss an.
Rishi Sunak (M.) wird neuer britischer Premierminister. Der ehemalige Finanzminister tritt die Nachfolge von Liz Truss an.Victoria Jones/PA Wire/dpa

Der neue britische Premierminister Rishi Sunak bekommt keine Schonfrist. Er muss bis kommende Woche einen Plan vorlegen, wie das Vereinigte Königreich seine Schulden abbauen will. Die Bank of England macht Druck und sagt, sie habe mit ihren jüngsten Rettungsaktionen den Crash zwar abgewendet. Die Renditen der Staatsanleihen haben sich etwas erholt, doch das kann sich schnell wieder ändern – mit weitreichenden Folgen: Anders als in Deutschland werden die britischen Rentner von Pensionsfonds finanziert. Am Höhepunkt des von Liz Truss verursachten Chaos stand die monatliche Rentenzahlung für Millionen Briten über Nacht auf der Kippe.

Sunak hat die fachliche Expertise, um die Regierung zu führen: Der 42-Jährige war bereits unter Boris Johnson zwei Jahre lang Finanzminister und weiß, in welch prekärer Lage die Staatskasse wegen der hohen Schulden ist. Während Corona legte er einen 30 Milliarden Pfund schweren Hilfsfonds auf, der allerdings wegen handwerklicher Fehler Hunderttausenden kleinen Einkommen vor allem im Gesundheitsbereich nicht half und extrem betrugsanfällig war.

In normalen Zeiten würde die Karriere Sunaks als Aufsteiger-Märchen bejubelt werden: Als erste PoC und erster Hindu ist er jünger als Tony Blair und David Cameron, als diese ins Amt kamen. Seine aus dem indischen Punjab stammenden Großeltern wanderten über Ostafrika nach Großbritannien aus. Er wuchs in Southampton auf. Seine Mutter war Apothekerin, sein Vater Arzt. Er studierte in Oxford Politik und Wirtschaft. Er arbeitete unter anderem als Analyst für die Investmentbank Goldman Sachs. Während seines Studiums in Stanford lernte er seine zukünftige Frau Akshata Murty kennen, die Tochter von N. R. Narayana Murthy, einem indischen Milliardär und Geschäftsmann, der das IT-Unternehmen Infosys gründete. Sunak und Murty belegen Platz 222 auf der Liste der reichsten Briten. Ihr aktuelles Vermögen beträgt 730 Millionen Pfund.

Obwohl Sunak erst seit einigen Jahren in der Politik ist, kennt er die Höhen und Tiefen des Geschäfts: So musste er eine Strafe von 50 Pfund bezahlen, weil er trotz des strikten Party-Verbots zu Corona-Zeiten an einer Sause mit Johnson teilgenommen hatte. Seine Frau, die neben Anteilen an Infosys auch Anteile an Jamie Olivers Restaurants hält, geriet in die Kritik, weil sie ein legales Steuervermeidungs-Modell benutzte. Sie zahlte pauschal 30.000 Pfund statt der vermutlich fälligen 20 Millionen Pfund.