Berlin - Das Kammergericht Berlin hat heute entschieden: Der Kapitalherabsetzung bei Rocket Internet steht nichts mehr im Wege. Die auf der letzten Hauptversammlung beschlossene Kapitalherabsetzung kann ins Handelsregister eingetragen werden. Aktien, die die Gesellschaft zuvor beim Börsenrückzug, dem sogenannten Delisting, für 512 Millionen Euro erworben hatte, werden nun abgeschrieben. Davon profitieren vor allem die Mehrheitsaktionäre um den Unternehmensgründer Oliver Samwer – ihr relativer Anteil am Unternehmen steigt in absoluten Zahlen am stärksten. Der Vertreter von Rocket Internet gab sich schon vor der Verkündung der Entscheidung zuversichtlich: „Die Gesellschaft hat rechtmäßig gehandelt, es ist freizugeben“ sagte Markus Meier von der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller. Das Kammergericht Berlin gab ihm nun recht. 

Hintergrund: Aktionärsschützer wollten sich mit dem Delisting von Rocket Internet nicht abfinden. Im Wege der Anfechtungsklage wehrten sie sich gegen die auf der letzten Hauptversammlung beschlossene Kapitalherabsetzung. Rocket Internet versuchte daraufhin, im Freigabeverfahren die Eintragung der Maßnahme durchzusetzen. Die Rechtsanwälte der Aktionäre trugen vor, dass in über 70 Prozent aller Fälle Aktionäre beim Delisting Geld verlieren würden – der Börsenwert liegt oft unter dem inneren Wert des Unternehmens. Sie beklagten, dass Aktien im Wert von 512 Millionen Euro nun einfach „vernichtet“ werden sollen, dies sei zum Nachteil der Gesellschaft, denn der Wert der Aktien sei zwischenzeitlich gestiegen. 

Tatsächlich: An der Hamburger Börse ist die Rocket-Internet-Aktie weiterhin handelbar, sie liegt mit knapp 24 Euro derzeit deutlich über dem Abfindungsangebot. Auch an potenziellen Käufern für größere Aktienpakete mangelt es nicht: Nach dem Delisting ist der Hedgefonds von Investorenlegende Paul Singer groß bei Rocket Internet eingestiegen.

Der Börsenrückzug von Rocket Internet sorgte im September letzten Jahres bei vielen Aktionären für Zähneknirschen. Am 1. September 2020 verkündete Rocket-Internet-Gründer Oliver Samwer seine Absicht, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Insbesondere das niedrige Abfindungsangebot von 18,57 Euro pro Aktie sorgte damals für Unmut. Wer die Aktie im Oktober 2014 zum Ausgabekurs von 42,50 Euro in der Hoffnung erwarb, eine Beteiligung bei dem Internetunternehmen würde sich langfristig auszahlen, wurde durch das Delisting schwer enttäuscht. 

Strittig war unter anderen die Frage, ob die Stimmen von Oliver Samwer bei der Hauptversammlung  berücksichtigt werden durften, weil möglicherweise im Vorfeld der Hauptversammlung gegen Mitteilungspflichten aus dem Wertpapierhandelsgesetz verstoßen wurden. Samwer soll noch etwa 4 Prozent von Rocket Internet direkt halten, der Rest des Unternehmens wird gemeinsam mit seinen Brüdern über ein kompliziertes Firmen- und Stiftungsgeflecht kontrolliert, an dessen Ende die Global Founders GmbH steht, die knapp die Hälfte aller Rocket-Internet-Anteile hält. 

Ob die Höhe des Abfindungsangebots von 18,57 Euro tatsächlich angemessen war, war nicht Gegenstand des Verfahrens und muss gesondert entschieden werden. Rocket Internet hat dem Kapitalmarkt indes nur für kurze Zeit den Rücken gekehrt. Das Unternehmen will wieder an die Börse – dieses Mal in New York.