Es ist ein erbitterter Streit ums Geld – und er ist dabei zu eskalieren: Am Freitag forderte Russland den Nachbarstaat Weißrussland auf, den inhaftierten russischen Topmanager Wladislaw Baumgertner umgehend freizulassen. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, setzte Russland ein sofortiges Einfuhrverbot für Schweine und Schweinefleischprodukte aus Weißrussland in Kraft.

Zuvor hatte Russland bereits angekündigt, die Öllieferungen nach Weißrussland um 400.000 Tonnen zu kürzen. Das entspricht fast einem Viertel aller für September geplanten Lieferungen in das Nachbarland. Und nun droht Russland auch noch mit einem Importstopp für weißrussische Milchprodukte. Damit ist ein dramatischer Handelskrieg zwischen beiden Ländern in vollem Gang.

Offiziell begründete Russland den Importstopp für Schweine damit, dass Weißrussland unzureichende Maßnahmen gegen Afrikanische Schweinepest getroffen habe. Für Beobachter gibt es aber keinen Zweifel daran, dass Moskau in Wahrheit aus Ärger über die Inhaftierung Baumgertners, des Chefs des mächtigen Bergbaukonzerns Uralkali, reagiert: Am Montag war Baumgertner auf Einladung der weißrussischen Regierung zum Meinungsaustausch nach Minsk gereist und dann am Flughafen verhaftet worden, als er die Rückreise nach Moskau antreten wollte. Sein Unternehmen hatte Ende Juli ein Kartell mit der weißrussischen Belaruskali aufgekündigt, das beiden Firmen hohe Preise für Kali garantierte. Dieses dient zur Herstellung von Düngemitteln.

Seitdem befindet sich der Kalipreis auf den Weltmärkten im freien Fall. Für Weißrussland ist das ein Desaster: Denn die Erlöse aus dem Kalibergbau machen einen Großteil der Exporteinnahmen des autoritär regierten Landes aus. Wenn nun auch noch die Schweine- und Milchexporte nach Russland wegbrechen, spitzt sich die Lage für das vom Westen wegen Menschenrechtsverletzungen mit harten Sanktionen belegte Land weiter zu. Minsk begründet die Verhaftung des Uralkali-Chef damit, dass er mit dem Ausstieg aus dem Kartell Weißrussland einen Schaden von 100 Millionen US-Dollar zugefügt habe.

K+S stellt sich auf raue Zeiten ein

Unmittelbar betroffen von dem Streit ist auch der deutsche Dax-Konzern K+S, der zu rund zwei Dritteln vom Kali-Geschäft abhängig ist. Durch den scharfen Preisverfall stellt sich der Konzern nun auf harte Zeiten ein. Konzernchef Norbert Steiner will nun zu zusätzlichen Sparmaßnahmen ergreifen. „Um die Ertragskraft und die Liquidität unseres Unternehmens zu erhalten, wird es erforderlich sein, dass alle Bereiche einen nennenswerten Beitrag dazu leisten“, schrieb Steiner in einem Brief an die Mitarbeiter.

Die Aufkündigung des Abkommens zwischen Uralkali und Belaruskali habe zu erheblicher Unsicherheit bei den Kunden geführt, räumte Steiner ein. „Zurzeit erkennen wir auf der Abnehmerseite eine spürbare Zurückhaltung bei Kaufentscheidungen, da sich noch kein neues Preisniveau etabliert hat.“ Im Klartext: Die Kunden rechnen mit weiter sinkenden Preisen und halten sich mit Aufträgen zurück.

Wie tief der Kalipreis fällt und wie lange die Schwächephase andauert, sei zwar immer noch nicht abzusehen, erklärte Steiner. Es sei jedoch unverkennbar, „dass sich der Weltkalimarkt auf niedrigere Preise einstellt“, schrieb der K+S-Chef. „Wappnen wir uns also für rauere Zeiten.“ Im Juli lag der Kalipreis pro Tonne noch bei rund 400 Dollar. Mittlerweile ist er auf etwa 350 Dollar gefallen. Experten befürchten jedoch, dass er noch deutlich tiefer sinken könnte, womöglich sogar unter 250 Dollar. K+S könnte dann nicht mehr wirtschaftlich produzieren: Die Herstellungskosten des Unternehmens liegen bei rund 280 Dollar pro Tonne.

„Wir werden in den nächsten Wochen das Einsparpotenzial konkret beziffern“, sagte ein K+S-Sprecher. Entlassungen im großen Stil seien aber nicht zu erwarten.

Die Eröffnung einer neuen K+S-Mine in Kanada im Sommer 2016 will K+S trotz der mauen Aussichten vorantreiben. Für K+S ist die Mine von großer Bedeutung, da die Reserven in den meisten Bergwerken in Deutschland in drei bis vier Jahrzehnten erschöpft sein werden. Experten sind aber skeptisch, ob K+S die Mine angesichts des Preisverfalls jemals wird wirtschaftlich betreiben können. (mit dpa, Reuters)