Rolls-Royce liefert auch die Triebwerke für die Boeing 747.
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BerlinWie tief das Luftfahrtgeschäft in der Krise steckt, vermittelte der Dachverband der Fluggesellschaften zu Wochenbeginn. Der IATA prophezeit den Airlines  für dieses Jahr Verluste von zusammen 74 Milliarden Euro. Und selbst im kommenden Jahr sei noch mit einem Minus von wenigstens 13 Milliarden Euro zu rechnen. 2021 würde voraussichtlich 29 Prozent weniger geflogen als 2019.

Die Folgen für die Industrie macht zuerst Rolls-Royce deutlich. Nachdem dem britischen Triebwerkshersteller Aufträge weggebrochen waren, kündigte er im Mai die Streichung von 9000 seiner weltweit 52.000 Stellen an. Im laufenden Jahr werde man voraussichtlich nur 250 statt 450 Triebwerke an die Kunden ausliefern, teilte Rolls-Royce mit. Nun will der Konzern die Kosten in diesem Jahr um mehr als eine Milliarde Euro senken.

Dabei könnte der britische Konzern vom weltweiten Einbruch des Luftverkehrs stärker betroffen sein als Hersteller kleinerer Triebwerke wie etwa General Electric oder MTU aus München. Branchenexperten verweisen darauf, dass sich Rolls-Royce aus dem Triebwerksbau für Kurz- und Mittelstreckenjets zurückgezogen und sich ganz auf Aggregate für Großraumflugzeuge von Boeing und Airbus konzentriert hat.

Unklar ist derzeit noch, welche Auswirkungen die Sparmaßnahmen auf Deutschland haben werden. In Oberursel bei Frankfurt am Main und im brandenburgischen Dahlewitz beschäftigt Rolls-Royce zusammen rund 4000 Mitarbeiter. In Dahlewitz entwickeln und fertigen etwa 2500 Rolly-Royce-Angestellte seit 1995 Triebwerke unter anderem für die A320-Baureihe von Airbus. Bislang wurden rund 4500 Triebwerke ausgeliefert. 2017 startete dort die Produktion von Turbinen für den A350, die als das effizienteste Großtriebwerk der Welt gelten.

Die Landesregierung Brandenburgs sagte Rolls-Royce in Dahlewitz vorige Woche jegliche Unterstützung zu. So stehe das Land zur Zusage der S-Bahnverlängerung bis Rangsdorf für eine bessere Erreichbarkeit des Standortes. An der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg soll ein Zentrum für Hybrid-Elektrisches Fliegen eingerichtet werden. (jk.)