Der Tanker "Marschall Vasilevskiy" aus der Gazprom-Flotte.
Foto: Gazprom

BerlinEin russischer Tanker aus der Gazprom-Flotte befindet sich lut Reuters auf dem Weg in die USA, um eine Ladung Flüssigerdgas (LNG) zu übernehmen. Wie die Agentur unter Berufung auf Schiffsdaten von Refinitivs Eikon und Branchenkenner berichtet, hat der auf Zypern registrierte Energiehändler Gunvor den Tanker "Marschall Vasilevskiy" vom russischen Staatskonzern Gazprom für die Verladung der Flüssigerdgas in den USA angemietet. Zuvor hatte es geheißen, die ÖMV sei an dem Transport beteiligt.

Die Aktion ist kurios: Russland hat den USA mehrfach vorgeworfen, mit seinen LNG-Exporten in Konkurrenz zu russischen Gaslieferungen zu treten. Solche LNG-Exporte seien überteuert und nicht wettbewerbsfähig, argumentieren die Russen. Gazprom hat in Europa mit einem Anteil von 35 Prozent eine marktbeherrschende Position. Die USA haben Deutschland mehrfach gewarnt, diese Abhängigkeit mit dem Bau der Pipeline Nord Stream 2 zu erhöhen. Sie bieten zur Diversifizierung US-Flüssiggas an.

Nach Angaben von Refinitiv Eikon hat die "Marschall Vasilevskiy" am 4. November den Rotterdamer Hafen verlassen. Der Tanker wird voraussichtlich am 26. November im LNG-Terminal von Sabine Pass in Louisiana eintreffen, schreibt Reuters. Die Verladung sei für den 29. November geplant. Der Zielhafen sei unbekannt.

Das Terminal in Louisiana ist Teil der von Präsident Donald Trump betriebenen Politik der "Energiedominanz", die darauf abzielt, die Öl-, Gas- und Kohleproduktion des Landes zu steigern. In den USA sind Dutzende von LNG-Exportterminals mit einer Gesamtkapazität von mehr als 300 Millionen Tonnen pro Jahr geplant. Das entspricht dem weltweiten Gesamtverbrauch an LNG im letzten Jahr. Deutschland hat unterdessen beschlossen, dass an der norddeutschen Küste mit staatlicher Förderung zwei Flüssiggas-Terminals gebaut werden sollen.