Seoul - Ungefähr 800 Personen werden am Samstag, wenn in Südkorea zum nationalen Unabhängigkeitstag am 15. August traditionell Begnadigungen ausgesprochen werden, den Gang aus dem Gefängnis antreten können. Der mit Abstand bekannteste, bedeutendste und umstrittenste Fall unter ihnen ist der von Lee Jae-yong, Chef des Multikonzerns Samsung und die mit Abstand reichste Person im ostasiatischen Industriestaat. Allgemein heißt es im Land, es sei nicht nur Lees finanzieller Wohlstand, der in Südkorea unübertroffen ist, sondern auch seine Macht. Und die Begnadigung des Mannes, der die vorige Präsidentin Park Geun-hye für die Genehmigung einer Firmenfusion bestochen hatte und derzeit ein weiteres Verfahren wegen Aktienpreismanipulation anhängig hat, habe dies wieder gezeigt.

In Regierungskreisen in der Hauptstadt Seoul ist man jedenfalls überzeugt: Ohne den Samsung-Boss komme das Land nicht durch die Krise. Die Konzerngruppe Samsung ist das mit Abstand größte Konglomerat des ostasiatischen Industriestaats. Die jährlichen Umsätze von rund 260 Milliarden US-Dollar entsprechen knapp einem Fünftel des südkoreanischen Bruttoinlandsprodukts. Immer wieder aber wird im Land auch gestöhnt, Samsung missbrauche seine wirtschaftliche Kraft zu politischer Macht. Südkoreaner nennen ihr Land oft zynisch „Samsung-Republik.“

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.