Prenzlauer Berg - Medizinisches Cannabis zählt zu den großen neuen Wachstumsfeldern auf dem deutschen Markt. Seit März 2017 können sich Patienten in Deutschland medizinisches Cannabis regulär beim Arzt verschreiben lassen. Es eignet sich zum Beispiel zur Linderung chronischer Schmerzen.

Spezialisierung auf Forschung und Vertrieb von Cannabis ist für die Sanity Group nur Notlösung

Die Menge, die in Deutschland produziert werden darf, ist allerdings stark reglementiert. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gab nur drei Firmen eine Erlaubnis: Aphira, ein Unternehmen aus Schleswig-Holstein, und zwei Berliner Unternehmen, Aurora und Demecan bekamen den Zuschlag.

Am Markt mitmischen will nun trotzdem ein weiteres Berliner Unternehmen, die Sanity Group aus Prenzlauer Berg. Das Unternehmen geht allerdings andere Wege und baut kein Cannabis an, sondern spezialisiert sich auf Forschung und Vertrieb. Eine Notlösung sei das aber keinesfalls, sagt Finn Age Hänsel, Gründer der Sanity Group. „Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, in Deutschland selbst zu produzieren oder produzieren zu lassen und gar nicht erst an der Ausschreibung teilgenommen“, sagt er. Der Grund: Der Anbau hierzulande wäre viel teurer als in den Nachbarländern. Hänsel nennt zum Beispiel die höheren Wasser- und Stromkosten hierzulande. Auch mit den strengen deutschen Auflagen könne man seiner Ansicht nach kaum wettbewerbsfähig sein. „Die erlaubten Mengen werden auf kurz oder lang nicht ausreichen“, glaubt er.

Die Sanity group will in Zukunft verschreibungspflichtiges Cannabis und Kosmetik-Produkte vertreiben

Also konzentriert man sich bei der Sanity Group komplett auf Forschung und Vertrieb und importiert die Pflanze aus den Niederlanden. Perspektivisch sollen Portugal, Schweiz und Griechenland als Importländer hinzukommen. Allerdings steht man auch beim Import nicht ohne Konkurrenz da. Auch rechtliche Genehmigungsprozesse stehen noch aus. „Betäubungsmittel zu importieren, ist schließlich etwas anderes, als Bananen zu importieren“, sagt Hänsel, ohne Lizenzen gehe hier nichts.

Neben verschreibungspflichtigem Cannabis will die Sanity Group auf lange Sicht auch Produkte im Kosmetik-Bereich vertreiben, die auf sogenanntes Cannabidiol (CBD) setzen. Der THC-Gehalt, der maßgeblich für die berauschende Wirkung bei Cannabis verantwortlich ist, darf hierbei maximal 0,2 Prozent betragen. „Wir werden keine Produkte bewerben, mit denen man seinen Kick bekommt“, sagt Hänsel. Dennoch sollen Effekte spürbar sein: Produkte, wie beispielsweise Öle sollen beruhigend und gegen Hautirritationen wirken. Das Siegel „apothekenpflichtig“ werde auch bei den Kosmetikprodukten Pflicht sein.

Hänsel selbst ist erfahrener Gründer. Zurzeit ist er noch Geschäftsführer beim Umzugs-Start-up Movinga. Aus diesem Posten will er aber ab Juni zugunsten der Sanity Group ausscheiden. Auch sein Mitgründer Fabian Friede gründete zuvor bereits drei weitere Firmen. Investoren glauben an das Vorhaben der Sanity Group. Erst kürzlich bekamen die Unternehmer eine Finanzierung über einen einstelligen Millionenbetrag von mehreren Healthcare Investoren.