Eine Gasanlage von Aramco.
Foto: aramco

Dhahran - Der staatliche Energiekonzern Saudi Aramco hat angekündigt, die größte Schiefergas-Produktion außerhalb der USA starten zu wollen. Das Unternehmen habe die Genehmigung erhalten, mit der Gewinnung von Schiefergas im Jafurah-Gasfeld zu beginnen, sagte der Vorstandsvorsitzende Amin Nasser dem englischsprachigen Dienst der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gewinnung von Schiefergas mit Fracking würde Saudi Aramco die Möglichkeit eröffnen, Gas im Wert von 110 Milliarden US-Dollar zu fördern.

Die Saudis würden damit bis 2030 zum drittgrößten Schiefergas-Produzenten nach den USA und Russland aufsteigen. Für das unter dem Ölpreis-Verfall leidende Land brächte der Einstieg ins Fracking den Vorteil der Diversifizierung. Laut Nasser will Saudi-Aramco das Verbrennen von Öl in seinen Kraftwerken beenden und nur noch Schiefergas als Brennstoff einsetzen.

Verwendung von Meerwasser

Saudi-Arabien hat in den vergangenen Jahren einen harten Preiskampf gegen die US-Schiefergas-Industrie geführt. Diese sollte zu Fall gebracht werden, um die Dominanz der Saudis beim Erdöl nicht zu gefährden. Nachdem dieser Kampf verlorengegangen ist, nutzen die Saudis nun das amerikanische Know-How für ihr Fracking. Sie arbeiten mit den US-Energie-Konzernen Schlumberger, Halliburton und Baker Hughes zusammen und setzen deren neueste Technologie ein, um das Schiefergas zu gewinnen.

Nasser sagte, sein Unternehmen habe einen besonderen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, weil Saudi Aramco Meerwasser beim Fracking verwenden will. Beim Fracking wird Gestein aufgebrochen, um das Erdgas darunter freizusetzen. Die Methode erfordert erhebliche Mengen von Wasser, was in der Regel zu Problemen beim Trinkwasser für die Anwohner führt. Deshalb und wegen anderer ökologischer Probleme wird Fracking von Umweltschützern bekämpft – in Deutschland ist die Methode verboten.

Wettbewerbsvorteil für Saudi-Arabien

Nasser sagte, dass es „eine neue Schieferrevolution“ gäbe, weil die Verwendung von Meerwasser ökologisch unbedenklich und im Hinblick auf Trinkwasser ressourcenschonend sei. Saudi Aramco habe in den vergangenen sechs Jahren 150 Brunnen im Schiefergasfeld Jafurah gebohrt, um den Entwicklungsplan vorzubereiten, sagte Nasser. Das Jafurah-Feld befindet sich in der Nähe der Golfküste und hat daher einen relativ einfachen Zugang zu Meerwasser, das vor der Verwendung beim Fracking leicht behandelt werden muss, sagte Nasser.

Er vertrat die Auffassung, dass Saudi-Arabien damit über einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Schiefergas-Produzenten verfüge.

Transport über Pipelines

Die Entwicklung könnte Saudi-Arabien laut Nasser auch als Gasexporteur positionieren. Gegenüber den USA hätte Saudi-Arabien in der Region einen entscheidenden Vorteil: Der Transport würde über Pipelines in nahegelegene Länder erfolgen, statt teure Exportterminals für Flüssigerdgas entwickeln zu müssen. Die USA brauchen dagegen diese Terminals. Sie werden unter anderem in Polen und Deutschland gebaut.

Der Einstieg ins Schiefergas-Geschäft könnte die Gewichte auf den internationalen Energiemärkten verschieben. Es ist allerdings noch nicht klar, welche neuen Allianzen gebildet werden können. Als Fracking-Nation wären die Saudis ein natürlicher Konkurrent der Amerikaner. Die enge Kooperation mit amerikanischen Firmen deutet allerdings eher darauf hin, dass Saudis und Amerikaner eine Achse gegen die anderen Erdgas-Förderländer bilden könnten – namentlich Russland und in geringerem Ausmaß Australien.