Eine Ölraffinerie in der südirakischen Stadt Nasiriyah.
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Der Kampf um den Öl-Preis geht in dieser Woche in eine möglicherweise entscheidende Runde: Am Donnerstag wollen die Vertreter des Erdöl-Kartells Opec gemeinsam mit Russland und anderen Förderländern über eine Begrenzung der Fördermenge beraten, um den drastischen Verfall des Öl-Preises zu stoppen.

Eine besondere Rolle spielen in dem Poker Russland und Saudi-Arabien: Beide Staaten müssen sich auf Kürzungen ihrer Fördermengen einigen. Russland und Saudi-Arabien sollen einer Einigung nähergekommen sein, sagte Kirill Dmitriev, CEO des Russian Direct Investment Fund, eines Staatsfonds, der 10 Milliarden US-Dollar verwaltet, am Montag dem US-Sender CNBC. „Ich denke, der gesamte Markt versteht, dass dieser Deal wichtig ist und viel Stabilität bringen wird“, sagte Dmitriev.

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Trump will Importe besteuern

Besonders wichtig ist eine Stabilisierung des Preises für die USA. Die USA sind der US-Energieagentur (EIA) zufolge seit 2009 vor Russland der größte Gasproduzent und haben inzwischen auch Saudi-Arabien als größten Ölproduzenten überholt. Das hat für Washington aufgrund der damit einhergehenden geringeren Abhängigkeit von Produzenten im Nahen Osten auch große strategische Bedeutung.

Den Boom des inländischen Öl- und Gasgeschäfts verdanken die USA vor allem der umstrittenen Methode des Frackings. Dabei wird Gas oder Öl mithilfe von Druck und Chemikalien aus Gesteinsschichten herausgeholt. Die teure Methode gefährdet milliardenschwere Investments, zu denen die US-Regierung die Produzenten seit Jahren ermuntert hat. Denn beim aktuellen Öl-Preis haben die Öl-Konzerne keine Chance, profitabel zu produzieren.

Ölgeschäft zu kompliziert

Die US-Regierung will die Branche unterstützen. Aktuell stehen ihr allerdings nur markige Sprüche zur Verfügung. Falls es nötig sei, könnten auch neue Zölle auf Ölimporte erwogen werden, sagte Präsident Donald Trump am Sonnabend. In der wichtigen Industrie stünden in den USA jetzt Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Er werde tun, „was auch immer nötig ist“, sagte er.

Allerdings halten Analysten die Idee von Zöllen für eine leere Drohung: Das Ölgeschäft sei zu kompliziert. Es könne nicht genau unterschieden werden, wann auf welches Produkt Zölle anfallen, weil die Raffinerien zwischengeschaltet sind, um das Rohöl zu verarbeiten. Die Vereinigten Staaten müssen schwerere Rohölsorten importieren, da das derzeit hauptsächlich produzierte Leichtöl den Raffineriebedarf nicht decken kann, schreibt Analyst Clyde Russell auf der Financial Post.

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Konsequenzen für Kreditwürdigkeit

Die US-Konzerne fürchten weltweit um die Konjunktur. Aktuell kann noch nicht eingeschätzt werden, ob die Folgen des weltweiten Shutdowns im Zuge der Corona-Pandemie kurz und heftig oder aber langfristig negativ für die Nachfrage sein werden. Schon vor der Corona-Krise hatten die Erdölproduzenten mit einem massiven Preisverfall zu kämpfen.

Vor allem die US-Konzerne könnten daher die Corona-Krise zum Anlass nehmen, um bei der US-Regierung um Hilfe nachzusuchen. Denn ihr Spielraum ist gering, weil die Aktionäre Dividenden erwarten. Auf die Ausschüttung der Dividenden wollen die Konzerne daher nicht verzichten. Sie haben, wie Oilprice.com berichtet, daher neue Schulden aufgenommen, um die Aktionäre zufriedenzustellen.

Das hat weitreichende Konsequenzen für die Kreditwürdigkeit der großen Konzerne: Nach dem Preisverfall und der steigenden Verschuldung mit teilweise negativem Cashflow bei einigen Konzernen – die bereits vor dem Crash negativ waren – haben die Ratingagenturen nun begonnen, die Konzerne herabzustufen.

Sinkender Gasexport

So verlor ExxonMobil sein Triple-A-Rating bei Moody’s, nachdem die Agentur am Donnerstag ihr Rating für den Konzern von Aaa auf Aa1 herabgestuft hatte und der Ausblick weiterhin „negativ“ war.

Doch auch die russischen Energiekonzerne sind wegen des Preisverfalls unter Druck: Unternehmen wie Rosneft müssen ihre Gewinne an den russischen Staatshaushalt abführen und können dies aktuell noch danke des hohen Dollar-Kurses kompensieren.

Allerdings kämpft der russische Energiesektor schon seit einiger Zeit gegen eine nachlassende Weltkonjunktur. Die Einnahmen aus Exporten des russischen Gasproduzenten Gazprom gingen von Januar bis Februar 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 51 Prozent auf 5,05 Milliarden US-Dollar zurück, berichtete der das russische Zollamt am Montag. Die Gasexporte gingen im Berichtszeitraum um 24,6 Prozent auf 32,5 Milliarden Kubikmeter zurück. Bereits Februar musste Gazprom einen Rückgang von 32,8 Prozent gegenüber dem Vormonat hinnehmen.