A4 bei Bautzen: Lkw stauen sich bis zu einer Länge von 70 Kilometern. DPA
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WarschauBei Bautzen war erst einmal Schluss. Wer am Donnerstagmorgen über die Autobahn 4 und den Grenzübergang Ludwigsdorf Richtung Wroclaw (Breslau) nach Polen ausreisen wollte, stand fast 60 Kilometer im Stau. „Menschliche Bedürfnisse werden hier im Straßengraben erledigt“, twitterten leidgeprüfte Autofahrer. Dabei hatte der polnische Grenzschutz am Mittwoch mehrere zusätzliche Übergänge für den Verkehr freigegeben. Doch die Einreisekontrollen wegen der Coronavirus-Epidemie nahmen zu viel Zeit in Anspruch. Dazu gehören eine Fiebermessung und die Abgabe eines Kontaktdatenformulars.

Polnische Regierung führt Corona-Kontrollregime ein

„Den Vordruck haben sich leider längst nicht alle Reisenden wie empfohlen vorher ausgedruckt“, klagten polnische Grenzschützer. Die Regierung in Warschau hatte bereits am Sonntag an der Grenze zu Deutschland die Schengenregeln für freies Reisen in der EU außer Kraft gesetzt und stattdessen ein strenges Corona-Kontrollregime eingeführt. Berufspendler und der Warenverkehr sollten zwar ebenso wenig behindert werden wie heimreisende polnische Staatsbürger. Aber der Andrang war einfach zu groß.

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Und er wuchs täglich. Am Montag hätten knapp 25.000 Menschen die Oder-Neiße-Grenze mit dem Auto überquert, berichtete die Zeitung Rzeczpospolita. Am Dienstag waren es bereits 45.000, am Mittwoch 60.000. Am Donnerstagmorgen erhöhte der polnische Grenzschutz die Zahl der Kontrollpunkte und der eingesetzten Beamten noch einmal deutlich und begann, die Kontaktdatenformulare schon mehrere Kilometer vor der Grenze auszugeben.

Wartezeiten von bis zu 30 Stunden - Fahrer wollen raus aus Westeuropa

Viele Lkw-Fahrer mussten trotzdem die Nacht über auf den Autobahnen 4, 11, 12 und 15 ausharren. Mitarbeiter des Roten Kreuzes und der Bundeswehr leisteten mit Getränken, Essen und Medikamenten Hilfe. Auf der A12 vor der Oderbrücke bei Frankfurt (Oder) staute sich der Verkehr am Donnerstag rund 70 Kilometer bis zum Dreieck Spreeau zurück. In Schwedt, 50 Kilometer vor Stettin, ging ebenfalls nichts mehr. Das gesamte Straßennetz sei von Lkw blockiert, berichteten örtliche Medien.

Aber auch an den polnischen Ostgrenzen sah es nicht besser aus. An den Übergängen zu den EU-Nachbarn Tschechien, der Slowakei und Litauen mussten Auto- und Lkw-Fahrer bis zu 30 Stunden warten. Hauptgrund für das enorme Verkehrsaufkommen, das allen Reisewarnungen und Verboten zuwiderlief, sei die massenhafte Rückreise von polnischen Staatsbürgern, aber auch von Balten, Ukrainern, Tschechen und Slowaken, analysierte die Rzeczpospolita. Demnach wollten Menschen, die regulär in Großbritannien, den Beneluxstaaten, Frankreich oder Deutschland arbeiteten, nun aber wegen der Corona-Epidemie freigestellt seien, die Zeit lieber in der Heimat verbringen als in Westeuropa.