Berlin - Neue Hiobsbotschaft von Air Berlin. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft  hat  in den Sommermonaten Juli bis September  deutlich weniger Passagiere befördert als erwartet und muss nun endgültig das bislang geäußerte Ziel aufgeben, im laufenden Jahr einen Gewinn einzufliegen.

„Wegen des heißen Wetters war die Nachfrage in den Sommermonaten leider sehr enttäuschend“, sagte Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Weil es in Deutschland im Sommer so heiß war, seien viel weniger Menschen als erwartet mit Air Berlin in den Süden verreist. Da es anderen Airlines auch so gegangen sei, rechnet Prock-Schauer nun mit einem harten Preiskampf im Winter – der wiederum die Gewinnmargen seines Unternehmens weiter drücken werde.

Trotzdem hofft der Air-Berlin-Chef  nun im kommenden Jahr wieder  einen Gewinn einzufliegen – wenn auch nur vor Zinsen und Steuern. Prock-Schauer wollte sich aber nicht darauf festlegen, ob auch nach Steuern  am Ende schwarze Zahlen stehen werden. Für Analysten kam die Nachricht nicht überraschend. Sie rechnen bereits seit längerem mit  Verlusten in zweistelliger Millionenhöhe für Air Berlin in diesem Jahr.  Auch die Anleger reagierten gelassen: Der Kurs der Air-Berlin-Aktie bewegte sich am Donnerstag kaum.

Jede zehnte Stelle soll gestrichen werden

Durch Sondererlöse will Air Berlin nun seinen Jahresverlust 2013 in Grenzen halten. Doch wie diese erzielt werden sollen, ist Beobachtern schleierhaft: „Außer einigen ausrangierten Flugzeugen dürfte Air Berlin nichts Werthaltiges mehr besitzen, für das es einen attraktiven Verkaufserlös erzielen könnte“, sagte Michael Kunert von der Anlegerschutzvereinigung SDK der Berliner Zeitung. Im Vorjahr war das noch anders: Da gelang es Air Berlin, sein Vielfliegerprogramm Topbonus für stattliche 184 Millionen Euro an den arabischen Partner Etihad zu verkaufen und auf diese Weise im Gesamtjahr einen Gewinn zu erzielen.

Nun aber werden am Jahresende 2013 wieder Verluste stehen – und das obwohl Air Berlin einen radikalen Sparkurs eingeschlagen hat. So laufe das Sanierungsprogramm „Turbine“ nach Plan, sagte Prock-Schauer. Im aktuellen Jahr habe es bereits 200 Millionen Euro an Einsparungen gebracht.  Um dies zu erreichen, reduzierte Air Berlin seinen Sommerflugplan um 80 Strecken. Bis Ende September sind mehr als 560 Arbeitsplätze in dem Unternehmen weggefallen. Insgesamt will Air rund 900 Jobs und damit jede zehnte Stelle streichen.

Anlegerschützer Kunert forderte Air Berlin auf, mit dem Land Berlin hart über die Höhe des Schadenersatzes für die mehrjährige Verzögerung beim Berliner Großflughafen zu verhandeln. Flughafenchef Hartmut  Mehrdorn – pikanterweise zuvor Air-Berlin-Chef –  hatte  dafür lediglich zehn Millionen Euro in Aussicht gestellt. „Damit sollte sich Air Berlin nicht abspeisen lassen“, sagte Kunert. So habe Air Berlin unter anderem eine teure Wartungshalle gebaut, die nun nicht genutzt werde. „Das Land wäre gut beraten, sich großzügig zu zeigen“, sagte Kunert. „Eine Pleite von Air Berlin wäre auch für Berlin ein Desaster.“