Um einen prägnanten Spruch ist Patrick Döring nie verlegen. Das schärft das Profil. Im Fall Schlecker hat der FDP-Generalsekretär eine gewaltige Attacke gegen den Verdi-Chef Frank Bsirske gefahren. Er habe entscheidend zum Niedergang von Schlecker beigetragen, polterte er in der Bild am Sonntag. Schließlich habe er noch „vor einigen Monaten zum Boykott von Schlecker wegen der angeblich so schlechten Bezahlung und Arbeitsbedingungen aufgerufen“.

Noch Tage später reden sich die Verdi-Mitarbeiter in Rage, wenn sie auf das Thema angesprochen werden. Schließlich hat man dort mit Vehemenz für die Angestellten von Schlecker gekämpft: Für gute Arbeitsplätze im Einzelhandel, für Vollzeitstellen, für eine gute Bezahlung. Doch Döring hat sich nicht als einziger gewundert. Gute Arbeitsplätze? Gute Bezahlung? Vollzeitstellen? Bei Schlecker? War da nicht was?

Der Ton hat sich geändert

In der Krise hat sich der Ton plötzlich geändert. „Es gibt uns noch und wir arbeiten gerne für Schlecker“, ließen Mitarbeiter der Drogeriemarktkette aus Ehingen die verdutzte Öffentlichkeit plötzlich wissen. Es geht nicht mehr um fehlende Telefone und Toiletten, vorbei das Jammern über die Horror-Arbeitsbedingungen früherer Tage, kein Satz mehr zu Lohndumping. Und an die Überwachungsskandale scheint sich auch niemand mehr zu erinnern.

Der Kunde reibt sich darob die Augen. Links liegen gelassen hatte er die Drogeriemarktkette in den vergangenen Jahren. Bei Schlecker, nein, da kauft man nicht ein. Nicht mehr. Bis zuletzt setzte jeder zweite Verbraucher keinen Fuß mehr über die Türschwelle der Drogeriemärkte. Schlecker, das war das Synonym für schlechte Arbeitsbedingungen und für eine unverantwortliche Unternehmensführung. Verdi hatte daran einen erheblichen Anteil. Die Gewerkschaft zerrte die Missstände in den öffentlichen Fokus und machte sie zum Gesprächsthema im Bundestag. Und jetzt soll alles anders sein? Angesichts der Schlecker-Geschichte ist das kaum zu glauben. Denn die Liste der Schlecker-Skandale ist lang.

Bereits 1998 wurden die Eheleute Schlecker wegen Lohndumpings vom Amtsgericht Stuttgart zur Zahlung von zwei Millionen Mark und zu je zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Bis 1995 hatten die beiden Hunderten Verkäuferinnen die Zahlung von Tariflohn vorgegaukelt, speisten sie aber mit weniger ab. Im Jahr 2005 hatte Schlecker dann eingeräumt, dass Mitarbeiter in „konkreten Verdachtsfällen“ überwacht wurden. Bei Verdi meldeten sich allerdings Betroffene aus dem ganzen Land. Mitarbeiter klagten über Überstunden, sie erzählten, dass sie den Müll aus den Filialen zu Hause entsorgen mussten und ihre Ehemänner Reparaturen in den Filialen erledigten. Im Schlecker-Reich wurde gespart, bis es quietschte – auch auf dem Rücken der Mitarbeiter.