Nicolas Berggruen gibt sich gerne als Menschenfreund. Das ist er wohl auch. Er ist aber auch ein großer Taktiker, und er ist knallhart in Verhandlungen. Deshalb hat er sich erst jetzt in die Sanierung von Schlecker eingeschaltet.

Er hat gewartet, bis das Unternehmen in eine extrem schwierige Situation geraten war. Das bringt ihm eine starke Verhandlungsposition, um einen Deal nach seinem Stil durchzuziehen.

Wer sich die Geschäfte des Herrn Berggruen anschaut, stellt fest, dass er dabei in der Regel mit minimalem Einsatz eigener Mittel vorgeht, dass er als eine Art Katalysator fungiert, der Dinge in Bewegung setzt – mit der Chance, daran in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren richtig viel Geld zu verdienen.

Ist Berggruens Interesse an Schlecker nun eine gute oder eine schlechte Nachricht für die Beschäftigten und die Gläubiger von Schlecker? Leider eine schlechte. Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf Berggruens Warenhauskette Karstadt.

Berggruen will Schlecker wohl zerschlagen

Die Kredite für die Sanierung der Kaufhäuser werden mit dem Geld bezahlt, das in der Kasse des Unternehmens übrigbleibt. Dieses Prinzip lässt sich leider nicht auf Schlecker übertragen. Denn in der Kasse der Drogeriekette bleibt nichts übrig. Schlecker macht jeden Tag Miese, offenbar in sechsstelliger Höhe.

Unterm Strich bedeutet dies: Ein Deal im Stil von Berggruen kann nur darauf hinauslaufen, den Schlecker-Konzern zu zerschlagen: Was sich profitabel betreiben lässt, wird verkauft, der Rest wird dicht gemacht. Das ist der einzige Weg, der geblieben ist, nachdem viele potenzielle Investoren abgesprungen sind. Den Filialen der Konzerntochter Ihr Platz kann man eine positive Prognose ausstellen. Von den 3200 Läden mit dem blauweißen Schlecker-Logo sind aber nur einige Hundert überlebensfähig.

Jetzt zeigt sich erst richtig, dass Schlecker seit mindestens einer halben Dekade eine Art Scheinriese im Drogeriemarkt-Geschäft war. Betriebsräte, Gewerkschafter und die Schlecker-Frauen sollten deshalb nicht auf den Insolvenzverwalter oder die Gläubiger sauer sein. Gründer Anton Schlecker allein hat es versäumt, den Konzern umzubauen, als er noch sanierungsfähig war.