Hamburg - Nach der Schlecker-Insolvenz wollen sich zahlreiche Vermieter der angeschlagenen Drogeriekette offenbar nicht auf eine längere Phase der Unsicherheit einlassen. „Es sind schon viele Vermieter auf mich zugekommen. Ein paar hundert haben mir ihren Laden angeboten“, sagte Konkurrent Dirk Roßmann der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Die von ihm gegründete Drogeriemarkt-Kette Rossmann wolle aber allenfalls 50 bis 80 der bis zu 7000 Schlecker-Märkte übernehmen. Unternehmenschef Roßmann will zunächst abwarten, bis er mehr Klarheit über das weitere Verfahren hat. Er habe noch keine Gespräche mit Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz geführt.

Möglicherweise gehe es aber auch schneller: „Vielleicht tritt der Insolvenzverwalter ja schon nächste Woche an mich heran.“ Für Schlecker und den Verwalter gehe es jetzt aber erst mal darum, Wege zu finden, um die Warenlieferungen zu stabilisieren.
Schlecker hatte zu Wochenbeginn Insolvenz angemeldet und will einen Großteil der rund 30.000 Arbeitsplätze retten. Um das Geschäft fortzuführen und für Nachschub in den Regalen zu sorgen, war es vordringlich, sich mit einem der wichtigsten Gläubiger, dem Einkaufsverbund Markant, zu einigen. Dies gelang am Mittwoch. Damit ist eine erste Hürde genommen. Allerdings könnte sich die Rettung hinziehen. Experten rechnen damit, dass Schlecker noch zahlreiche Läden schließen muss.

Die Vermieter kommen in der Insolvenz aus ihren Verträgen nicht vorzeitig heraus - erst, wenn Schlecker mindestens drei Monate keine Miete gezahlt hat. Diese Frist kann der Insolvenzverwalter dadurch hinauszögern, dass er zumindest einen Teil der Miete überweist.

Roßmann sagte, er habe zwar Mitgefühl für den Konkurrenten, habe Schlecker aber keine finanzielle Hilfe angeboten. „Das ist auch nicht meine Aufgabe als Wettbewerber“, fügte er hinzu. „Die müssen jetzt sehen, wie sie da rauskommen“, sagte der Gründer der Drogeriemarktkette mit Sitz in Burgwedel bei Hannover. Über den Niedergang des Rivalen empfinde er keine Begeisterung: „Es ist nicht so, dass ich jetzt Hosianna brülle.“

Roßmann rechnet damit, dass seine Kette in diesem Jahr voraussichtlich mit 5,6 Milliarden Euro Umsatz hinter Marktführer dm auf Rang zwei landen wird. Diesem traut er 6,7 Milliarden zu, Schlecker werde 2012 voraussichtlich auf rund fünf Milliarden Euro kommen.

Insolvenzgeld für Schlecker-Beschäftigte

Das Insolvenzgeld für die mehreren zehntausend Beschäftigten der Drogeriekette Schlecker steht bereit. Die Lohnansprüche von rund 33.000 Mitarbeitern werden bis Ende März durch die Summe von rund 150 Millionen Euro abgedeckt. Das berichtete die Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit am Freitag in Stuttgart. Die Arbeitsagentur zahle das Geld aus.

Betroffene müssen Angaben der Behörde zufolge keine Einzelanträge stellen. Zudem will die Agentur direkt in der Schlecker-Zentrale in Ehingen ein Büro aufmachen, um möglicherweise Arbeitsplätze zu vermitteln, sollte es zu Kündigungen kommen. Schlecker hatte am Montag mit drei Gesellschaften Insolvenz angemeldet, die Tochter IhrPlatz war am Donnerstag gefolgt. (rtr/dpa)