Am Rheinsberger See.
Foto: imago-images.de/Andreas Vitting

BerlinDie Politik der Lockerungen schreitet voran, auch in sprachlicher Hinsicht. Im „ZDF-Morgenmagazin“ hat Bundesaußenminister Heiko Maas sich am Montag zuversichtlich gezeigt, Wege für einen Sommerurlaub in beliebte Reiseländer zu finden. Aus Reisewarnungen sollen Reisehinweise werden, Informationen also statt Regeln mit Drohpotenzial. Maas hoffe, dass ein Urlaub nach dem 15. Juni wahrscheinlich werde.

Man ist vorsichtig geworden in den höchsten deutschen Staatsämtern, was etwas weniger optimistisch ausgedrückt bedeutet, dass wir nicht so bald in den Alltag werden zurückkehren können. Galt es eben noch als eines der wichtigsten Anliegen der gutbürgerlichen Existenz, Planungssicherheit für die Urlaubswochen zu haben, so scheint man sich nun damit zufrieden geben zu müssen, wenigstens für ein paar Tage irgendwohin reisen zu dürfen. Die geglückte Buchung als wichtigstes Traumreise-Etappenziel.

Dabei ist es nicht so, dass Politiker in der Malaise nicht hilfreich sein wollen und können. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder möchte mit finanziellen Anreizen in den Sommermonaten „ein Stück Entlastung für die Branche, aber auch Freude für die Menschen bringen.“ Was also liegt näher als Ferien in Bayern, der politische Föderalismus erweist sich so als Agentur praktischer Urlaubssoforthilfe. Worüber weder Maas noch Söder gern sprechen, ist ein dramatischer Wandel des Bedürfnisses, mal für ein paar Tage von zu Hause fort zu sein. Die Selbstverständlichkeit, mit der man sich durch die Welt bewegt hat, dürfte für viele dahin sein. Schnell mal weg war gestern. Die Wege zum Strand sind gepflastert mit komplexen Hygienestrategien.