Detlef Scheele, Chef der Bundesagentur für Arbeit.
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BerlinDie Arbeitslosigkeit in Berlin ist im April dramatisch angestiegen. Waren im März bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern noch insgesamt knapp 155.000 Berliner als arbeitslos registriert, so gab es im Folgemonat bereits 182.618 Arbeitslose in der Stadt.  Damit kamen binnen eines Monats 28.369 neue Arbeitslose in Berlin hinzu. Die Arbeitslosenquote in Berlin stieg von März auf April von 7,9 auf 9,3 Prozent.

Darüber hinaus belegen die nun veröffentlichten Zahlen zur Kurzarbeit die Vollbremsung in weiten Teilen der Berliner Wirtschaft und insbesondere in den Branchen Gastronomie und Einzelhandel. Insgesamt hatten im März und im April 32.201 Unternehmen Kurzarbeit angezeigt – tausendmal so viel wie im gleichen Vorjahreszeitraum. In der Summe sind in den Betrieben bis zu 340.000 Beschäftigte von Kurzarbeit und deutlich geringerem Einkommen betroffen. Damit, Bernd Becking, Regionalchef der Bundesagentur für Arbeit, sei „noch Schlimmeres am Arbeitsmarkt verhindert“ worden.

Tatsächlich ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit in Berlin einer der stärksten seit Fall der Mauer. Nur im Januar 2005 war hier eine Zunahme gegenüber dem Vormonat um etwa 41.000 Arbeitslose registriert worden. Das Jahr 2005 war für Berlin das Jahr mit der höchsten Arbeitslosigkeit. Seinerzeit waren in der Stadt mehr als 300.000 Menschen ohne Arbeit. Seitdem ist die Zahl der Arbeitslosen hier aber stetig gesunken.

Vor allem in der jüngeren Vergangenheit wuchs die Berliner Wirtschaft überproportional. Jährlich entstanden etwa 50.000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs. Die Corona-Krise wirft die Stadt nun um Jahre zurück. Die jetzt veröffentlichten Arbeitslosenzahlen für April entsprechen etwa denen des Jahres 2015. Dabei dürfte die Zahl inzwischen noch höher liegen. Denn die Bilanz der Arbeitsagenturen bezeichnet den Stand von Mitte April.

Droht also wieder eine Arbeitslosenquote von über zehn Prozent, wie es sie in Berlin zuletzt 2017 und 2018 gab? „Das will ich nicht ausschließen“, sagt Marcus Weichert, Chef des Bereichs Arbeitsmarktmanagement in der hiesigen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. Berlin sei wegen seiner vergleichsweise schwachen Industrie und breiten Dienstleistungsstruktur besonders von dieser Krise betroffen. „Dort haben Kontaktverbote gravierende Auswirkungen.“ Noch hätte es aber keinen nennenswerten Anstieg von Insolvenzen in der Stadt gegeben.

Insgesamt gibt sich Weichert sogar zuversichtlich. „Auch im April haben Leute nicht nur Jobs verloren, sondern welche bekommen“, sagt er und verweist auf etwa 8.000 Menschen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus eine Beschäftigung vor allem im Einzelhandel, in der Logistik und im Gesundheitswesen begonnen haben. Zudem hätten einige Betriebe bereits angekündigt, die Kurzarbeit im Mai oder Juni wieder beenden zu wollen. Berlin werde sicher wieder zu alter Stärke zurückkehren, sagt der Arbeitsmarktmanager. „Vielleicht 2021, vielleicht erst 2022.“

Die Investitionsbank Berlin (IBB) legte ebenfalls am Donnerstag eine Analyse zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt vor. Demnach wird die Wirtschaftsleistung Berlins in diesem Jahr im besten Fall um fünf Prozent zurückgehen. Im schlimmsten Fall schrumpft die Bruttowertschöpfung um zwölf Milliarden Euro, die Wirtschaftsleistung um zehn Prozent.

Bundesweit stieg die Zahl der Arbeitslosen im April um 308.000 auf insgesamt über 2,6 Millionen. Gleichzeitig stiegen die Anzeigen auf Kurzarbeit auf 751.000 Anzeigen für insgesamt 10,1 Millionen Arbeitnehmer. Die Arbeitslosenquote kletterte gegenüber März um 0,7 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent.