Seltener zum Friseur: Betriebe plagen Zukunftssorgen

Gleich zweimal blieben den Friseuren in letzter Zeit die Kunden aus: Erst im Lockdown, jetzt wegen der steigenden Preise. Und die Friseursalons treibt noch e...

ARCHIV - Ein Schild hängt über dem Eingang zu einem Friseursalon in der Potsdamer Innenstadt.  ld/dpa/Archivbild
ARCHIV - Ein Schild hängt über dem Eingang zu einem Friseursalon in der Potsdamer Innenstadt. ld/dpa/ArchivbildMonika Skolimowska/dpa-Zentralbi

Potsdam-Erst monatelange Corona-Lockdowns, jetzt steigende Energiepreise und ein wachsender Fachkräftemangel: Die Friseure in Brandenburg blicken mit gemischten Gefühlen in die Zukunft.

„Es geht langsam ans Eingemachte“, sagt Petra Jauer. Sie betreibt den Friseursalon „HaarProJekt“ in Brandenburg (Havel) und ist zugleich Obermeisterin der dortigen Friseurinnung. Schon die Masken- und Testpflicht im vergangenen Jahr habe den Aufschwung gebremst. Aktuell spüre sie aufgrund der gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise ein verändertes Kundenverhalten. „Man geht lieber einmal weniger“, berichtet Jauer. Bis jetzt laufe das Geschäft zwar noch, aber es werde nicht besser. „Wir haben keine Reserven mehr, das kann ganz schön haarig werden“, so die Friseur-Obermeisterin. Sie hat sich an einer bundesweiten Petition beteiligt, den Mehrwertsteuersatz für Friseure auf sieben Prozent zu senken.

Auch Friseurmeisterin Anja Liedtke aus Pritzwalk (Prignitz) treiben diese Sorgen um. Sie engagiert sich ebenfalls in der Friseurinnung, ist vor Ort stellvertretende Obermeisterin. „Die Energiekosten machen einem Angst“, sagt Liedtke. Auch sie habe in letzter Zeit bemerkt, dass bei ihren Kunden die Abstände zwischen zwei Terminen immer größer werden. Manche Kunden kämen nur zum Schneiden und machten beispielsweise die Farbe zu Hause selbst. Gleichzeitig macht sich die Friseurin Mut: „Die Haare müssen ja geschnitten werden.“

Auch Liedtke selbst machen die steigenden Energiekosten zu schaffen. Bisher habe sie die Preise noch halten können, aber ab Januar könne sie Erhöhungen nicht mehr vermeiden. Jetzt gehe es nur noch darum, wie die Teuerungen ausgestaltet werden.

Für Petra Jauer aus Brandenburg stehen ab Anfang kommenden Jahres ebenfalls höhere Abschlagszahlungen ins Haus. Doch die Friseurin treibt noch ein weiteres Problem um: Auch die Personalsituation sei derzeit wenig erfreulich. Viele Angestellte wollten lieber eine Vier-Tage-Woche, möglichst mit vollem Lohnausgleich. Mangel herrsche auch bei den Auszubildenden. Früher habe sie zwei Azubis im Betrieb gehabt, berichtet Jauer. Heute sei es eine - mehr könne sie sich wegen der gestiegenen Vergütung nicht mehr leisten. „Ich hatte aber auch dieses Jahr keine Bewerber.“

Die Zahlen der Handwerkskammer Potsdam belegen diesen Trend: Gab es Ende 2018 im Kammerbezirk noch 147 Auszubildende im Friseurhandwerk, waren es Ende 2020 nur noch 126, aktuell sind es 102. Dabei hat sich die Zahl der Friseurbetriebe im Kammerbezirk sogar erhöht - von 1018 im Jahr 2018 auf aktuell 1036.

Die schlechte Nachwuchssituation beklagt auch die Pritzwalker Friseurmeisterin Liedtke. „Viele haben keine Lust mehr, mit den Händen zu arbeiten“, meinte sie. Andere achteten vor allem auf den Verdienst. Gerade habe sie zwei Schülerpraktikanten im Geschäft gehabt. „Ich stehe doch keine acht Stunden hinter dem Kunden“, hätten die zu ihr gesagt.