Das einheitliche Verfahren für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Europa Sepa wird sechs Monate später eingeführt als bisher geplant. Angesichts der mangelnden Vorbereitungen in einigen Ländern müsse die Übergangsfrist für die „Single Euro Payment Area“ um sechs Monate bis zum 1. August verlängert werden, gab die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel bekannt. Der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier begründete die Verzögerung mit der Notwendigkeit, gravierende Störungen im europäischen Zahlungsverkehr zu vermeiden.

Die Umstellung auf Sepa sei in manchen Ländern nicht weit genug fortgeschritten, um wie eigentlich geplant vom 1. Februar an das Sepa-System reibungslos anwenden zu können. „Ich bedauere, dies tun zu müssen, aber das ist eine Vorsichtsmaßnahme, um dem Risiko von Zahlungsunterbrechungen und möglichen Folgen besonders für Verbraucher sowie kleine und mittlere Unternehmen entgegenzuwirken“, betonte der Kommissar.

Inwieweit auch der Vorbereitungsstand in Deutschland für die Entscheidung der EU-Kommission eine Rolle spielte, blieb zunächst offen. Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken erklärte im Namen der deutschen Kreditwirtschaft, man sei von der verlängerten Umsetzungsfrist überrascht worden. „Die Fristverlängerung wäre nicht notwendig gewesen, bringt aber Erleichterungen für diejenigen Unternehmen und Vereine, bei denen es mit der Umstellung auf das neuen Sepa-Verfahren zum 1. Februar 2014 möglicherweise knapp geworden wäre“, heißt es in einer Stellungnahme.

Deutschland hinkt hinterher

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht keine Verantwortung hiesiger Unternehmen: „Aus Sicht der deutschen Wirtschaft ist der Aufschub nicht zwingend notwendig“, sagte DIHK-Sprecher Thomas Renner der Berliner Zeitung. Erst zum Jahreswechsel, so Renner, hätten zahlreiche Betriebe ihre Zahlungsmodalitäten und Computersoftware auf das neue Sepa-Verfahren umgestellt.

Andererseits hatte der deutsche Bankenverband erst vor wenigen Tagen die Vorbereitungen in Deutschland als „besorgniserregend“ bezeichnet. Im internationalen Vergleich hatte die hiesige Wirtschaft monatelang auf den hintersten Plätzen in der Sepa-Umstellung rangiert.

Noch im dritten Quartal 2013 kam Deutschland nach EU-Erhebungen auf einen Anteil von nicht einmal 14 Prozent an Sepa-Überweisungen, während Italien fast 23 Prozent erreichte und Frankreich sogar 57 Prozent. Am weitesten ist die Umstellung auf das neue Zahlungsverfahren, das die bisherigen Bankleitzahlen und Kontonummern durch eine 22-stellige IBAN-Kennziffer ersetzt, in Finnland, Luxemburg und der Slowakei fortgeschritten. Dort wird bereits der gesamte bargeldlose Zahlungsverkehr mit Sepa abgewickelt. Insgesamt nehmen 33 europäische Länder an dem Verfahren teil.

In den vergangenen acht Wochen hatten deutsche Kreditinstitute, Behörden, Versorgungsunternehmen und Betriebe Millionen von Schreiben verschickt, um die Bevölkerung über die bevorstehende Umstellung zu informieren. Für deutsche Bankkunden beginnt die IBAN-Nummer mit der Länderkennzeichnung DE, gefolgt von einer zweistelligen persönlichen Kennziffer, der bisherigen Bankleitzahl und schließlich der Kontonummer. Privatpersonen können aber noch bis 2016 auch die alten Kontoverbindungsdaten nutzen. Zudem werden Daueraufträge automatisch von den Banken umgestellt. Verbraucher müssen sich also eigentlich nur die neue IBAN-Nummer einprägen.

Für Vereine und Unternehmen ist die Umstellung aufwendiger. Sie müssen ihre Buchungssoftware umstellen, ihr Briefpapier austauschen und Bankverbindungen ihrer Kunden für Lastschriften mit IBAN und der Bankenkennzeichnung BIC erfassen. Firmen, die über Lastschriftverfahren oder Einzugsermächtigungen Geld erhalten, müssen zudem bei der Bundesbank eine Gläubiger-Identitätsnummer beantragen, um ihre Berechtigung nachzuweisen.