Der Container hat ein Volumen von 2,1 Kubikmetern.
Foto: Onomotion

BerlinAls das Start-up Onomotion vor drei Jahren in eine alte Fabrikhalle in Treptow zog, wurden in Deutschland jährlich rund drei Millionen Pakete verschickt. Mittlerweile sind es pro Tag 2000 Sendungen mehr, und in vier Jahren soll die 4,5-Millionen-Marke passiert werden, prophezeit der Bundesverband der Paket- und Expresslogistik. Geliefert wird fast immer mit Diesel-Transportern. Allein in Berlin sind derzeit mehr als 3000 im Einsatz. Sie sind die analoge Begleiterscheinung des digitalen Einkaufs.

Onomotion-Chef Beres Seelbach, der bereits als 24-Jähriger die E-Mobilitätsplattform Lautlos durch Deutschland gegründet hat, mag solche Zahlen, und ein bisschen mag er auch den Ärger über in der zweiten Reihe parkende Lieferfahrzeuge. „Es ist unübersehbar, dass für den Transportverkehr in Innenstädten dringend neue Lösungen  gebraucht werden“, sagt Seelbach. Natürlich hat er eine Lösung.

Der Betriebswirt hat das Unternehmen Onomotion 2016 zusammen mit dem Fahrzeugtechniker Philipp Kahle und dem Designer Murat Günak gegründet. Günak hatte in seinem früheren Berufsleben Automobile für Peugeot, Mercedes und Volkswagen kreiert. Meist waren es sehr sportliche Karossen wie die des Mercedes SLK. In Berlin sollte es ein Transporter werden. Leise und emissionsfrei. „Grundlegend neu“, wie Günak sagt.

Foto:Onomotion
Die Gründer ...

... Beres Seelbach, Philipp Kahle und Designer Murat Günak (v.l.) haben Onomotion im Mai 2016 auf den Weg gebracht. Heute hat das Unternehmen über 30 Mitarbeiter.

Gemeinsam haben sie ein neuartiges Lastenrad entwickelt, das seit Sommer vorigen Jahres ausgiebig getestet wird. Zwei Prototypen waren in Berlin vor allem bei Hermes und dem Tochterunternehmen Liefery im Dauereinsatz. Der Transporter hat drei Räder und einen abnehmbaren Frachtcontainer mit zwei Kubikmetern Laderaum. Angetrieben wird er mit Pedalen und Elektromotor. Das Fahrzeug ist als Lastenrad zugelassen, verlangt keinen Führerschein und darf auf Fahrradwegen genutzt werden.

Bislang hat das Unternehmen etwa zwei Millionen Euro in die Entwicklung des Fahrzeugs investiert. Zum Teil wurde das Kapital per Crowdfunding eingesammelt. Nun gab es noch einmal drei Millionen Euro vom Europäischen Innovations- und Technologieinstitut (EIT InnoEgergy), das sich selbst als Innovationsmotor für nachhaltige Energie in Europa versteht und bereits 380 Start-ups unterstützt. Dort traut man der Berliner Firma einiges zu: Die Art und Weise wie Personen und Güter in Innenstädten bewegt werden, ändere sich gerade dramatisch, sagt Christian Müller, Chef von EIT InnoEnergy Deutschland, und glaubt: „Ono kann mit seinen innovativen Produkten eine zentrale Rolle in dieser Transformation spielen.“

Laut Beres Seelbach sei diese Entwicklung in den vergangenen Monaten noch beschleunigt worden. Mit dem nochmals gewachsenen Onlinehandel habe das Thema emissionsfreie Logistik an Dringlichkeit gewonnen. Zugleich würden die Fahrradinfrastrukturen europaweit ausgebaut. „Wir haben inzwischen auch Nachfragen aus Paris und London, zum Teil sogar Bestellungen“, sagt der Ono-Chef. Die Interessenten sind Logistik-Unternehmen oder Betreiber sogenannter City-Hubs, von denen Waren in Innenstädten im näheren Umkreis verteilt werden.

Prototyp im Testeinsatz bei Hermes.
Foto: Onomotion

Tatsächlich startet in dieser Woche die Serienproduktion des Pedal-Transporters. „In Süddeutschland“, sagt Seelbach und will keinen Namen nennen. Es sei ein auf Kleinserien spezialisierter Zulieferer aus dem Automobilbau, der auch für Daimler und Volkswagen fertigt. Etwa 800 Mitarbeiter. Bereits Anfang November sollen die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden. Läuft alles nach Plan, werden in diesem Jahr noch mindestens 50 Ono-Bikes auf die Straßen kommen. Sieben Logistiker haben für Berlin insgesamt 60 Fahrzeuge bestellt.

Im nächsten Jahr sollen auch Kunden in Leipzig und München bedient werden. Bis zum Sommer will das Unternehmen 200 Fahrzeuge ausgeliefert haben, bevor 2022 die europaweite Auslieferung beginnt. Vor allem dafür sollen die frischen drei Millionen Euro genutzt werden. Service und Marketing kosten Geld. „In drei Jahren wollen wir 14.000 Fahrzeuge in 60 Städten haben“, sagt Seelbach.

Vertrieben werden die Cargo-Bikes ausschließlich per Leasing. Für 580 Euro im Monat gibt es den innenstadtkompatiblen Öko-Transporter inklusive Versicherung, Wartung, Service-Hotline, Akku und Zugang zu Akkutauschautomaten. Ein Transporter der Sprinterklasse in der Logistik komme dagegen vor allem wegen teurer Versicherungspolicen auf monatliche Gesamtkosten von 1000 Euro, heißt es bei Ono.

Seelbach hofft nun, dass der Treptower Transporter gut bei Kunden und Fahrern ankommt. Am Ziel sieht er sich noch lange nicht. Der Serienstart sei ein erster Schritt, sagt er und weiß, dass schon einige Hersteller Fahrzeuge auf den Straßen hatten und dennoch bald wieder verschwunden waren. Immerhin: Hermes will bis 2025 die Pakete in 80 großen Innenstädten emissionsfrei ausliefern.