Hilfsbereit: Drei der fünf Guides, die Kudamm-Besucher beraten. Sie sollen auch Touristen beim Einkaufen helfen.
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Berlin-KurfürstendammDie Berliner City-West hat ihre Krise hinter sich, aber Handel und Immobilienunternehmer wollen sich besser gegen die Gefahren wappnen, die der Einkaufsmeile durch Online-Geschäfte drohen.

Acht große Grundstückeigentümer, darunter die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, haben einen „Business Improvement District“ (BID) gebildet, der die Strecke Tauentzien – Kurfürstendamm zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße attraktiver für Kauflustige und Flaneure machen soll. Am Donnerstag wurden die Pläne und Ideen vorgestellt. Sie reichen von mehr Sauberkeit über bessere Grünpflege bis hin zu freiem WLAN.

Der BID, durch ein Berliner Gesetz aus dem Jahr 2014 ermöglicht und der von den beteiligten Unternehmen bis 2023 mit acht Millionen Euro gefördert wird, hat als ersten Schritt fünf „City Guides“ eingestellt.

Die Frau und vier Männer sind seit Donnerstag täglich von 8 bis 21 Uhr auf der 1,2 Kilometer langen Strecke unterwegs, um Hilfestellung zu geben. Georgios Nikolaidis, bislang Sightseeing-Führer, ist einer aus dem Quintett und fünfsprachig.

Passanten sollen an einem Info-Wagen ihre Wünsche für den Kudamm äußern

Auf Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch und Portugiesisch kann er Ratschläge geben: „Wir haben uns einen Monat lang mit dem Kudamm vertraut gemacht. Wir können den Passanten sagen, wo es Restaurants gibt, kennen Öffnungszeiten, weisen auf Verkehrsverbindungen oder Toiletten hin.“ Gleichzeitig achten die Guides auf Sauberkeit, informieren bei Bedarf das Ordnungsamt.

Eines können sie jedoch nicht: Den Mangel an Cafés ausgleichen. Sie hatten weitestgehend den Geschäften von Ketten weichen müssen – nur noch ältere Berliner erinnern sich zum Beispiel an das Café Möhring. Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der AG City, einem Zusammenschluss von Unternehmen aller Art, hofft auf Besserung: Man sei in Gesprächen mit den Hauseigentümern, um einen Trend zu befördern: „Food ist das neue Fashion.“

Was bedeutet, dass zu einer Einkaufsstraße, die sich nach den Worten von Charlottenburg-Wilmersdorfs Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) mit der Oxford Street und den Champs-Élysées messen muss, auch Orte des Einkehrens haben muss. Er hofft mit den BID-Verantwortlichen, dass mehr Veranstaltungen auf der Straße mehr Publikum anlocken, vergleichbar mit dem umgestalteten Steinplatz.

Vom 28. Oktober an sollen die Passanten an einem Info-Wagen ihre Wünsche äußern („Träume deine Stadt“), was sich an Tauentzien und Kudamm ändern sollte. In Arbeitskreisen wollen die BID-Teilnehmer hinterher festlegen, was davon umgesetzt werden kann.

Kleine Elektrobusse auf dem Kudamm?

Ein angenommener Wunsch soll Anfang 2020 erfüllt werden, nämlich freies WLAN. Die Router müssen an den Fassaden angebracht werden, weil der Senat die Nutzung der Straßenlaternen nicht genehmigt hatte. Über die Signale der Handys sollen – anonymisiert – die Ströme der Passanten gemessen werden.

Bereits vereinbart ist die weitere Finanzierung zusätzlicher Reinigungstouren durch die Berliner Stadtreinigung BSR, die in diesem Zusammenhang auch die Mittelstreifen putzt, was eigentlich Aufgabe des Bezirks wäre. Das Grün auf den Mittelstreifen soll besser gepflegt werden, Landschaftsplaner wurden beauftragt, sie umzugestalten und schöner zu bepflanzen.

Noch nicht ganz ausgegoren ist die Idee, auf dem Kudamm nur noch kleine, leise Elektrobusse der BVG einzusetzen, weil herkömmliche Busse zu laut sind.