Luisa Neubauer, deutsche Klimaschutzaktivistin.
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BerlinNach einem Treffen mit der Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer von „Fridays for Future“ hat Siemens-Chef Joe Kaeser der 23-Jährigen einen Aufsichtsratsposten in der Konzernsparte Siemens Energy angeboten.

„Es ist nicht gut, wenn so ein Gremium nur aus weißen Männern besteht. Die Jugend soll lernen, Verantwortung zu übernehmen“, sagte Kaeser nach dem Gespräch. Kaeser trat nach dem Gespräch alleine vor die Presse. Neubauer und ihr Mitstreiter Nick Heubeck gaben später vor dem Werk Auskunft. Da Siemens die Beteiligung am umstrittenen Adani-Kohlebergwerksprojekt nicht sofort zurückgezogen habe, sähen sie keine Basis für ein gemeinsames Pressestatement, sagten sie. Das Aufsichtsrats-Angebot hat Neubauer sichtlich überrascht. „Dazu möchte ich gar nichts sagen“, meinte sie nach dem Gespräch. „Ich bin heute sicher nicht zu Siemens gegangen, um Aufsichtsrätin zu werden.“

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„Kernfrage sind nicht irgendwelche Aufsichtsratsgeschichten“

Neubauer sagte später am Freitagabend am Rande der 40-Jahr-Feier der Grünen in Berlin mit Blick auf das Angebot Kaesers: Die Kernfrage seien heute nicht „irgendwelche Aufsichtsratsgeschichten“, sondern ob Siemens an den Investitionen festhalte, obwohl sie wüssten, welche Konsequenzen dies für das Weltklima habe.

Neubauer und Heubeck zeigten sich enttäuscht, dass Kaeser beim Gespräch keine Entscheidung zur Adani-Beteiligung verkündete.

Entscheidung über Millionen-Vertrag soll am Montag fallen

Kaeser will nun am Montag über den 18-Millionen-Euro-Auftrag zur Lieferung von Signaltechnik für eine Kohlebahn in Australien entscheiden. Er sprach von einer „schwierigen Entscheidung“, bei der es auch um „Vertragstreue“, die Beziehungen zur australischen Regierung und „verschiedene Stakeholder“ gehe.

Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens.
Foto:  dpa/Peter Kneffel

Der Siemens-Chef räumte auch Fehler in der Vergangenheit ein. Man habe das Konfliktpotenzial von „indirekten Beteiligungen“ an umstrittenen Projekten unterschätzt. Damit meint er, dass Siemens nicht direkt die Carmichael-Mine des indischen Industriekonzerns Adani im australischen Outback beliefert. Der kritisierte Auftrag betrifft die Lieferung von Signaltechnik für eine Kohletransportbahn. Um solche „indirekten Konfliktfelder“ zu erkennen, will Kaeser bei Siemens einen „Nachhaltigkeitsrat“ oder „sustainability board“ einrichten, der den Vorstand berät und auch den Ausstieg aus solchen Projekten empfehlen kann.

Prüfung einer vorzeitigen klimaneutralen Produktion

Zudem werde Kaeser prüfen, ob Siemens bereits 2025 und nicht erst wie bisher geplant 2030 klimaneutral produzieren könne. Er sei ein Freund von „Fridays for future“, sagte der Konzernchef. Die „Jugend“ liefere die „richtige Diagnose“ zu den Gefahren des Klimawandels , die Industrie könnte für die „Therapie“ sorgen.

57.000 Unterschriften einer Petition gegen das Projekt. Begleitet wurde die Übergabe von mehreren hundert Demonstranten. Nach Polizeiangaben verlief die Aktion friedlich. Parallel zu den Demonstrationen traf sich Siemens-Chef Joe Kaeser mit Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer in Berlin. Siemens soll die Zugsignalanlage für ein geplantes riesiges Bergwerk des indischen Industriekonzerns Adani in Australien liefern. Der Konzern ist wegen des Auftrags seit längerem in der Kritik. Im Dezember hatte Siemens-Chef Kaeser angekündigt, ihn auf den Prüfstand zu stellen.