Mahlberg - Kaffee kochen, den Hof fegen oder für andere Essen holen – es hat nicht immer direkt mit dem Ausbildungsziel zu tun, was Lehrlinge in ihrem Unternehmen tun müssen und erleben. Auf derbe Sprüche sollte man auch eingestellt sein. Was sich allerdings beim Discounter Aldi in einem Warenlager in Baden-Württemberg abgespielt hat, ist nach Meinung von Gewerkschaftern in keiner Weise tolerierbar und stelle einen Straftatbestand dar: Mitarbeiter im Warenlager haben einem Bericht des Magazins Spiegel zufolge Auszubildende misshandelt.

Missliebige Azubis seien demzufolge im Zentrallager Mahlberg vom stellvertretenden Bereichsleiter und anderen Beschäftigten mit Frischhaltefolie an Pfosten gefesselt worden, zitiert der Spiegel einen ehemaligen Aldi-Manager. Die Aldi-Mitarbeiter hätten dann die Gesichter der Auszubildenden mit Filzstiften beschmiert.

Mitschnitte auf Facebook

Die Folie sei beim Fesseln derart stark gespannt gewesen, „dass ich kaum mehr atmen konnte“, wird einer der betroffenen Auszubildenden zitiert. Vorgesetzte hätten die Schikanen beobachtet und dadurch gebilligt. Einige Ausschnitte der Misshandlungen seien auch auf Seiten im Online-Netzwerk Facebook veröffentlicht. Einer der betroffenen Auszubildenden sagte laut Bericht, er habe sich nicht getraut, Anzeige zu erstatten. „Ich hatte Angst, sofort wieder gekündigt zu werden, da ich noch in der Probezeit war.“ Auch sei dem Auszubildenden angedroht worden, bei weiterem Fehlverhalten in das Tiefkühlabteil des Zentrallagers gesperrt zu werden, in dem Temperaturen von minus 20 Grad herrschen.

Angesprochen auf die Vorwürfe erklärte Aldi Süd: „Zu unserer Bestürzung hat sich durch interne Recherchen gezeigt, dass das beschriebene Geschehen in seiner Kernaussage der Wahrheit entspricht“. Das Unternehmen sei „entsetzt“ gewesen. Sowohl die leitenden Verantwortlichen als auch die aktiv an der Tat beteiligten Mitarbeiter seien bereits zur Rechenschaft gezogen worden.

Angst um Lehrstelle

Der Bundesjugendsekretär der Gewerkschaft Verdi, Ringo Bischoff, sagte der Berliner Zeitung, er hoffe, dass dieser krasse Fall „wirklich ein Einzelfall“ sei. Allerdings würden sich viele Jugendliche bei – auch gravierenden –Problemen oft nicht beschweren, weil sie Angst um ihren Ausbildungsplatz hätten oder weitere Schikanen fürchteten.

Oft würden Drohungen – beispielsweise Geld-Abzug, Versetzung zu eintönigen Arbeiten oder Rausschmiss – dazu führen, dass die Jugendlichen lange stillhielten. Generell gebe es Probleme mit zu vielen Überstunden und verbotenen Nachtschichten. (mit afp)