Vorsicht vor Finanzberatern: Wir sagen, wie die unterschiedlichen Anbieter arbeiten.
Grafik: Sascha Jaeck

BerlinWer sein Geld vermehren möchte, sollte es zurzeit nicht auf dem Sparkonto liegen lassen. Doch es ist nicht leicht, sich auf dem Finanzmarkt zu orientieren. Dafür gibt es zwar Berater, doch vielen Anlegern fällt es schwer, diesen zu vertrauen. Wir sagen, wie die unterschiedlichen Finanzberater arbeiten, wie sich Kostenfallen vermeiden lassen und die Beratung erfolgreich vorbereitet und durchgeführt werden kann.

Banken und Sparkassen: Kreditinstitute haben Anlageberater. Diese bieten in der Regel die eigenen Produkte an – die Deutsche Bank also Produkte der DWS, die Volksbanken Produkte von Union Invest etc. Wer seinen Kundenberater um Informationen zu den Fonds anderer Anbieter bittet, kann auch hier auf offene Ohren treffen – solange die Bank an anderer Stelle zum Zug kommt. Beratung zu sehr kostengünstigen Produkten wie ETFs (Exchange Traded Funds) lehnen aber nicht wenige Banken ab. Die Kundenberater müssen wirtschaftlich handeln. Außerdem unterliegen sie seit der Finanzkrise strengen und sehr aufwendigen Dokumentationspflichten. Bank-fremde Produkte zu vertreten, stellt für die Berater unter Umständen ein Risiko dar, das sie nicht eingehen wollen oder dürfen.

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Finanzmakler: Anlageberatung, Vermittlung von Produkten wie Aktien oder Fonds, Versicherungsberatung, Kreditvermittlung – die Aufgaben von Finanzmaklern sind breit gestreut. Seit 2013 benötigen Finanzmakler, die auch Finanzanlagenmakler genannt werden, eine Zulassung als Finanzanlagenvermittler (IHK). Finanzmakler vermitteln die Produkte verschiedener Anbieter. Häufig koppeln sie ihre Tätigkeit mit dem Kauf von Versicherungen. Ihr Honorar erhalten sie von den Firmen, bei denen die Anleger Verträge abschließen – als Provision oder als Anteil an den jährlichen Kosten.

Honorarberater: Ein fester Stundensatz, ein Festpreis oder ein prozentualer Anteil der Anlagesumme können die Basis der Bezahlung von Honorarberatern sein. Die genauen Modalitäten sollten vor der Beratung mit dem Kunden besprochen werden. Der Honorarberater kann deshalb unabhängig von Finanzunternehmen beraten. Wer eine Beratung erhält und keinen Vertrag abschließt, muss den Honorarberater aber trotzdem bezahlen.

Verbraucherzentralen: Sie bieten eine ähnliche Beratung an wie Honorarberater: Ihre Anlagetipps sind nicht von der Arbeit für ein Unternehmen beeinflusst, doch die persönliche Information muss vergütet werden. Eine Beratungsstunde (60 Minuten) kostet 80 Euro.

Zertifizierung: Das Financial Planning Standards Board zertifiziert weltweit Finanzberater nach professionellen und ethischen Standards. In Deutschland hat die Organisation rund 1 500 Berater nach einer 600-stündigen Weiterbildung, intensiven Prüfungen, nachgewiesener Berufserfahrung und bei einwandfreiem Leumund zertifiziert. Sie sind zum Beispiel bei Banken, Finanzdienstleistungsunternehmen oder als selbstständige Berater tätig. Der CFP-Berater in der Nähe kann über www.frueher-planen.de gesucht werden.

Tipps für die Beratung: Bevor der Finanzberater seinen Aktenkoffer aufklappt, ist es sinnvoll, sich zu überlegen, wie viel Geld man investieren möchte und zu welchem Risiko. Das ist eine grundlegende Entscheidung, die aber häufig in Beratungen aufkommt und dort ausführlich diskutiert wird. Die Banken unterscheiden fünf Anlegertypen (siehe Infokasten). Der Unterschied liegt in dem Sicherheitsbedürfnis, das der Einzelne mitbringt. Wer in Geldanlagen einsteigt, sollte die Ersparnisse nicht spekulativ einsetzen. Das sollte nur mit Geld geschehen, dessen Verlust zu verschmerzen ist.

Wer lange spart, sollte auch Zeit in sein eigenes Wissen um den Finanzmarkt und die Finanzinstrumente investieren. Bei der Auswahl der Quelle ist allerdings Vorsicht geboten: Finanztest von Stiftung Warentest oder Finanztip können als seriöse Quellen gelten. Es gibt jedoch Publikationen, in denen Werbung und redaktionelle Artikel vermischt werden. Hier ist Vorsicht geboten.

So stufen Banken ihre Kunden ein

Klasse 1: sicherheitsorientiert. Tagesgeldkonten, die jederzeit zugänglich sind oder Rentenfonds sind hier empfehlenswert.
Klasse 2: konservativ. Festverzinsliche Wertpapiere, Investitionen in Währungen wie den Euro oder den Schweizer Franken oder Rentenfonds gewähren hier Sicherheit.
Klasse 3: ertragsorientiert. Deutsche oder international gestreute Aktienfonds
Klasse 4: spekulativ. Spekulative Anleihen oder Optionsscheine
Klasse 5: sehr spekulativ. Investitionen in ausländische Aktien-Nebenwerte oder sehr spekulative Anleihen

Vor dem ersten Beratungsgespräch sollte sich der Anleger über die Qualifikation des Beraters informieren. Auch die Honorierungsoptionen sollten besprochen werden. Viele Berater sind hier flexibel. Die Ausgabeaufschläge von Fonds, über die sie sich teilweise finanzieren, sind keineswegs verpflichtend. Wer hier ein Festhonorar bevorzugt, kann dieses auch vereinbaren. Das kann sich bei größeren Anlagesummen lohnen.

Während des Gesprächs sollten Anleger sich die Produkte, ihre Vorteile und Nachteile, vor allem die involvierten Kosten erläutern lassen. Der Berater sollte Nachfragen grundsätzlich geduldig beantworten. Außerdem sollte der Kunde schriftliche Unterlagen bekommen, die er gründlich studieren kann. Anleger sollten nur solche Produkte kaufen, die sie verstehen.

Ganz wichtig: Nicht beim ersten Termin etwas unterschreiben. Interessenten sollten mehrere Angebote einholen und diese vergleichen. Egal wie hoch der Geldbetrag ist – Entscheidungen über die Finanzen sind immer stressig. Hier sollte man sich Zeit nehmen und nichts überstürzen. Lieber eine zweite Meinung von Beratern wie der Verbraucherzentrale einholen, als die eigene Entscheidung später bereuen.