Nächsten Montag geht‘s los: Obwohl der Sommer in diesem Jahr noch gar nicht so richtig begonnen hat, startet am 25. Juli der sogenannte freiwillige Sommerschlussverkauf (SSV). Für die Schnäppchenjäger dürfte es ein Fest werden. Denn der Trend zu immer heftigeren Rabatten hält an. Wir erläutern, wo’s die größten Nachlässe gibt.

Warum gibt es eigentlich immer noch den  Sommerschlussverkauf?

Die Frage ist berechtigt. Eine gesetzlich geregelte Schnäppchenjägerei wurde im deutschen Kaiserreich erfunden und war stark reglementiert. Nur in der letzten Juli- und der ersten Augustwoche durfte einst Saisonware verbilligt losgeschlagen werden – die Regierenden trauten den Kunden nicht zu, dass sie erkennen, ob etwas tatsächlich verbilligt war oder ob nur so getan wird. 2004 wurden die gesetzlichen Bestimmungen aber abgeschafft. Seither machen viele Händler praktisch ständig etwas Ähnliches wie Schlussverkäufe – das heißt nur nicht mehr so, sondern wird in Denglisch als „Sale“ annonciert. Trotzdem zieht nach Angaben der Händlerlobby HDE die SSV-Billigkampagne noch immer, wohl weil’s  viele Händler gleichzeitig tun und die vielen roten Schilder nachweislich zum Geldausgeben animieren.   

Wo wird es in diesem Jahr besonders billig?

Die Antwort liegt auf der Hand. Ob des bislang weitgehend ausgefallenen Sommers liegen Shorts, Badesachen und luftige T-Shirts wie Blei in den Regalen. Hier gibt es Nachlässe nach Ansicht von Experten, die bis zu 70 Prozent betragen können. Das hängt davon ab, wie groß die Lagerbestände der jeweiligen Händler sind. Sie müssen dringend Platz schaffen, denn die Herbst- und Winterkollektionen stehen noch gut verpackt buchstäblich schon vor der (Lager)-Tür.

Was wird noch offeriert?

Inzwischen gibt es im SSV eigentlich alles zu günstigeren Preisen; auch Möbel oder die Sortimente von Baumärkten – von der Schubkarre bis zur Schraube – werden mit mehr oder weniger großen Nachlässen offeriert, obwohl sie wenig mit der warmen Jahreszeit zu tun haben.

Wie bedeutend ist der SSV für die Händler?

Da der Schlussverkauf in die Ferienzeit fällt, haben viele Konsumenten nichts Besseres zu tun, als Shopping-Ausflüge  zu machen, und zwar nicht nur in die Metropolen, sondern gerade in kleinere oft auch idyllische Städtchen, deren Einzelhändler laut HDE so spürbare Absatzzuwächse verzeichnen, was letztlich trotz der Preisnachlässe die Umsätze steigert. 

Wird alles immer billiger?

In der Tat steigt das Rabattniveau kontinuierlich. Das hat zumindest eine Befragung der Unternehmensberatung EY ergeben. Die Experten gehen davon aus, dass Händler in diesem Jahr im Schnitt die Preise um ein Viertel kürzen. Neben Bekleidung werde es bei Schuhen und Sportartikeln in den nächsten zwei Wochen besonders kräftig nach unten gehen. Bemerkenswert ist überdies, dass im Vergleich zum vorigen Jahr generell die Bereitschaft wächst, knallig hohe Rabatte zwischen 30 und 60 Prozent zu gewähren.

Was sind die Gründe für die Rabattschlacht?

Bestimmt spielt der besagte verregnete Sommer da eine Rolle. Allerdings sehen Branchenkenner in den forcierten Rabattschlachten auch ein Indiz für einen immer härteren Wettbewerb. Jeder sechste der befragten Händler plant, die Zahl der Billigaktionen – jenseits der Schlussverkäufe – zu erhöhen. Gerade im Textilsegment herrsche „inzwischen fast das ganze Jahr über Ausverkauf“, sagt Thomas Harms, Einzelhandelsexperte bei EY. Er spricht von der „Rabatt-Droge“, die die Margen der Händler belaste. Doch die Unternehmen machten aus Sorge vor Verlusten von Marktanteilen munter mit.

Wer erzeugt den Wettbewerbsdruck?

Im Textilgeschäft sind es die großen internationalen Ketten wie Hennes & Mauritz (H&M), Inditex (Zara, Cos) oder Primark treibende Faktoren. Diese Unternehmen expandieren aggressiv, sowohl was die Zahl der Filialen als auch die Verkaufsflächen angeht. Deren Strategie der schieren Größe zielt einerseits darauf ab, immer größere Mengen einzukaufen, um dann die Hose und das Shirt billiger verkaufen zu können. Es geht aber auch darum, kleinere Konkurrenten insbesondere in attraktiven städtischen Lagen zu verdrängen.