Auch in Spanien prägt der Mundschutz mittlerweile das Stadtbild.
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MadridAm Donnerstag wollte sich Alexandra, eine in Madrid lebende Deutsche, in der Apotheke eine chirurgische Maske kaufen. Sie sollte zwei Euro kosten. „Ach“, sagte Alexandra, „ich dachte, die dürfen jetzt nur noch einen Euro kosten.“ Im Prinzip schon, antwortete der Apotheker, 96 Cent ab diesem Freitag. „Aber für diese hier habe ich selbst 1,80 Euro bezahlt.“ Alexandra nahm die Maske für zwei Euro mit.

Spanien hatte, wie die meisten europäischen Länder, nicht für eine mögliche Pandemie vorgesorgt. Vorausschauende Menschen kauften sich schon im Februar Gesichtsmasken, die Mitmenschen vor einer möglichen Ansteckung schützen. Anfang März wurden die Masken knapp und sind es bis heute geblieben. Und bei Knappheit steigt der Preis, was ein ganz guter Mechanismus ist, um neue Anbieter auf den Markt zu bringen.

Pablo Iglesias, der stellvertretende Ministerpräsident von der Linkspartei Podemos, sieht das anders. Er entdeckt hinter den Preissteigerungen „Spekulanten und Geier, die sich auf Kosten der Gesundheit der Bürger bereichern“. Jetzt nicht mehr. Die Regierung hat für den chirurgischen Mundschutz – wie auch für alkoholische Gele – ab diesem Freitag Höchstverkaufspreise eingeführt.

Wer, wie Alexandras Apotheker, auf teurer eingekauften Masken sitzt, hat Pech gehabt. Gesundheitsminister Salvador Illa sagte am Donnerstag, dass es keinen finanziellen Ausgleich geben werde: „Ich gehe davon aus, dass niemand mehr Produkte auf Lager hat, die sich auf dem Markt gut verkaufen ließen.“ Mancher hat aber doch noch welche auf Lager. Francisco Marín, ein Apotheker aus dem andalusischen San Fernando, erzählte der Zeitung El Mundo, dass er in den vergangenen Wochen „Himmel und Erde“ bewegt habe, um Masken für seine Kunden zu bekommen. Sie hätten ihn 1,30 Euro gekostet. Die werde er nun seinem eigenen Personal geben.

Nicht alle schimpfen über den Höchstpreis. Die spanische Apothekenkammer erhofft sich „ein Ende der Unverschämtheiten, die wir Apotheker und die Bürger erlitten haben“. Genau das wird sich jetzt zeigen müssen. Höchstpreise unter Marktpreisen sorgen gewöhnlich für größere Knappheit. Spanien erlebt eine ganz praktische Ökonomiestunde. Der Unternehmerverband der Apotheken hätte es für sinnvoller gehalten, „eine Erhöhung des Angebots zu erleichtern“. Ein Grund für höhere Preise sind die höheren Kosten, die Neueinsteiger in den Maskenmarkt zu tragen haben: Sie müssen erst in Wissen und in Maschinen investieren, um das gewünschte Produkt herzustellen. Viele spanische Unternehmen haben sich in diesen Wochen schon an die Arbeit gemacht. Es wird sich nun zeigen, ob sich die Produktion zum Höchstverkaufspreis von 96 Cent lohnt.