Sonne, Strand und Mehr - bald werden Urlaube in einigen südlichen Ländern wieder möglich sein. 
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BerlinDie Lufthansa will in der zweiten Junihälfte ihr Streckennetz angeblich wieder ausbauen. Kreta, Rhodos, Ibiza und deutlich mehr Flüge nach Mallorca seien geplant, hieß es. Auch der Reiseanbieter TUI will in einem Monat wieder nach Mallorca und zu anderen Zielen fliegen. „Ab Ende Juni wollen wir pünktlich zu den Sommerferien wieder fliegen“, sagte Vorstandschef Fritz Joussen der Rheinischen Post. Das klingt nach der Rückkehr zur Normalität.

Die deutsche Reisewarnung gilt noch bis zum 14. Juni. Danach will Außenminister Heiko Maas (SPD) sie für die EU aufheben. Aber noch ist unklar, wie mit der Türkei verfahren wird.   Und was planen die Regierungen in den anderen Ländern? Erkenntnisse aus Spanien und der Türkei.  

Spanien: Ministerpräsident Pedro Sánchez hat bei einem Presseauftritt am Sonnabend allen „alten Freunden und neuen Besuchern“ eine Botschaft verkündet: „Spanien erwartet euch im Juli.“ Ausländische Touristen könnten „ab sofort ihren Urlaub in unserem Land planen“. Dem touristischen Fachblatt preferente.com war die Nachricht eine Eilmeldung wert: „Euphorie: Im Juli werden sich die Grenzen ohne Beschränkungen öffnen.“

Wahrscheinlich ist die Euphorie verfrüht – zu viele Ungewissheiten stehen vor der Wiedereröffnung Spaniens für Touristen aus aller Welt. Aber die Vorfreude ist verständlich. In gewöhnlichen Zeiten trägt der Tourismus etwa 12,3 Prozent, zur spanischen Wirtschaftsleistung bei, zurzeit sind es aber null Prozent.

Seit Ausrufung des Alarmzustands wegen der Covid-19-Epidemie Mitte März sind Hotels und Gaststätten geschlossen. Mit ersten vorsichtigen Ausnahmen: In einigen Gegenden Spaniens dürfen seit zwei Wochen Straßencafés und Restaurants unter freiem Himmel öffnen, im Rest des Landes ab diesem Montag, aber vorerst überall nur mit halber Belegschaft. Reisen über Provinzgrenzen hinweg sind grundsätzlich noch nicht erlaubt, Einreisen aus dem Ausland auch nicht.

Spanien war bisher zurückhaltend mit Ankündigungen über künftige touristische Freiheiten. Während deutsche Fluggesellschaften und Reiseveranstalter schon Mallorca-Pläne für den Juni machten, gab sich die Sánchez-Regierung verschlossen. Auch das ist verständlich: Indem die spanischen Gesundheitsverantwortlichen im Februar die aufziehende Krise nicht ernst nahmen, trugen sie zu ihrer dramatischen Verschärfung bei. Kaum ein zweites Land der Welt hat so viele Corona-Tote im Verhältnis zur Einwohnerzahl zu beklagen wie Spanien.  

Dennoch ist weiterhin offen, unter welchen Bedingungen die Gäste denn kommen dürfen. „Wir werden garantieren, dass es für die Touristen kein Risiko sein wird, hierher zu kommen“, sagte Sánchez, „noch, dass sie Risiken in unser Land bringen werden.“ Der zweite Teil ist von der spanischen Regierung noch schwerer zu garantieren als der erste, weswegen jetzt mit den EU-Partnern über „sichere Korridore“ verhandelt wird, deren Beschaffenheit aber noch niemand kennt.

Türkei: Mit einem Zertifikatsprogramm für „gesunden Tourismus“ will Ankara Urlauber davon überzeugen, dass Ferien in der Türkei trotz Corona sicher sind. Für Fluggesellschaften, Nahverkehrsmittel, Hotels, Restaurants und Cafés wurden strenge Hygienemaßnahmen erlassen, die von internationalen Institutionen kontrolliert würden, erklärte Tourismusminister Mehmet Ersoy vergangene Woche.

An Flughäfen würden Covid-19-Testzentren eingerichtet und alle Reisenden getestet, die nicht bereits in den vorangegangenen 72 Stunden einen Test gemacht hätten. Die Regierung hat rund 156 000 Infektionen mit dem Coronavirus registriert und 4 308 Todesfälle gemeldet. Zurzeit sind die offiziellen Fallzahlen rückläufig.

Wegen der dramatischen Lage der Tourismusindustrie führt die Regierung Gespräche mit rund 70 Ländern, um sie davon zu überzeugen, dass die Türkei ein sicheres Reiseland ist und bestehende Beschränkungen aufgehoben werden können. Die türkischen Reiseveranstalter rechnen aber mit einer echten Belebung des Geschäfts erst ab September, wenn die russischen Touristen, die in den vergangenen Jahren Deutsche und Briten als Feriengäste zahlenmäßig überholt haben, erwartet werden. Als Generalprobe für den Neustart der Branche gilt die für Ende Mai geplante Wiederaufnahme des Inlandstourismus, der für etwa 20 Prozent der Übernachtungen steht. (mit dpa)