Berlin - Jede Generation versucht sich von der vorherigen abzuheben. Doch wenn es ums Geld geht, dann eifern heutige Jugendliche ihren Eltern geradezu nach: Auch sie sind auf dem besten Wege, es zu Sparweltmeistern zu bringen. Einer am Mittwoch vorgestellten Studie des Bankenverbandes und der Gesellschaft für Konsumforschung zufolge sparen 53 Prozent der 14- bis 24-Jährigen in Deutschland regelmäßig, ein weiteres Drittel immerhin ab und zu. Die 21- bis 24-Jährigen legen dabei im Schnitt monatlich stattliche 236 Euro zurück, die 14- bis 17-Jährigen immerhin 36 Euro. 

Experten raten jungen Menschen zu Aktien und Fonds

Zwei Dritteln der jungen Leute macht es demnach auch Spaß, sich um ihre persönlichen Finanzen zu kümmern. Doch wie ihre Eltern geht ihnen Sicherheit bei der Geldanlage über alles. Von Aktien oder Investmentfonds wollen nur die allerwenigsten von ihnen etwas wissen. Dabei raten Experten gerade jüngeren Menschen dazu, Geld in Aktien oder Fonds anzulegen, weil diese Anlageformen auf lange Sicht Spareinlagen, Festgeldern und auch Anleihen deutlich überlegen seien. Im aktuellen Zinstief macht sich das besonders bemerkbar.

Gerade im Hinblick auf die Altersvorsorge sehen Experten hier ein großes Problem auf die junge Generation zukommen. Bankenverband-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer räumte ein, dass die Banken hier ein gewisses Maß an Mitverantwortung hätten, weil sie die jungen Leute nicht immer ausreichend dazu ermutigen würden, in Aktien und Fonds anzulegen.

Begriff „Rendite“ oft unbekannt

Der Bankenverband führt die auf einer repräsentativen Umfrage basierenden Studie seit 2003 alle drei Jahre durch. Was dieses Mal besonders auffällt: Die jungen Leute kümmern sich nicht nur um ihre persönlichen Geldangelegenheiten, auch ihr Interesse an allgemeinen Wirtschafts- und Finanzthemen hat seit der letzten Umfrage vor drei Jahren deutlich zugenommen. 34 Prozent der Befragten zeigt ein starkes oder sogar sehr starkes Interesse an diesen Themen. 2012 waren es lediglich 22 Prozent.

Kemmer begründete das wachsende Interesse damit, dass sich vor drei Jahren die komplexen und für viele nur schwer verständlichen Negativthemen im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise möglicherweise nachteilig auf das Wirtschaftsinteresse der jungen Generation durchgeschlagen hätten. Die Kenntnisse hätten sich auch deutlich verbessert, dennoch offenbare das Wirtschaftswissen der jungen Leute noch immer bedenkliche Lücken: Vier von zehn jungen Befragten hätten schlechte oder sogar sehr schlechte Kenntnisse in diesem Bereich. So wusste weniger als die Hälfte der Befragten, dass die Europäische Zentralbank für Preisstabilität verantwortlich ist und nur jeder Vierte konnte den Begriff „Rendite“ richtig erklären. Sechs von zehn Jugendlichen geben zu, dass sie keine Ahnung hätten von dem, was an der Börse geschieht.

Mehr Aufklärung von Schulen und Medien gefordert

Immerhin sind sich die jungen Leute ihrer Wissenslücken bewusst: Zwei Drittel der Befragten wünschen sich konkrete Informationen darüber, wie Wirtschaft funktioniert. Aufklärung erwarten sie sich vor allem von den Schulen und den Medien. Nur die wenigsten gehen davon aus, dass ihre Eltern oder die Banken ihnen dieses Wissen vermitteln. Dementsprechend wünschen sich 81 Prozent der Befragten mehr Wirtschaft in der Schule und 73 Prozent sogar ein eigenes Schulfach Wirtschaft.

Konkret umsetzen will letzteres bislang allerdings nur das Land Baden-Württemberg, wo es am dem nächsten Schuljahr ein Schulfach Wirtschaft geben soll. „Die bundesweite Einführung eines verpflichtenden Fachs dieser Art, für die wir uns  seit Jahren einsetzen, ist jedoch weiterhin nicht in Sicht“, bedauerte Kemmer.

Jugend ist rundum glücklich

Die Digitalisierung hat für die Jugend eine enorme Bedeutung. So besitzen fast alle 14- bis 17-Jährigen (98 Prozent) bereits ein Smartphone oder einen Tablet-PC. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es überraschenderweise etwas weniger. Über 90 Prozent der jungen Leute nutzen das Internet täglich. Die meisten sehen darin große Vorteile für die Gesellschaft und für sich persönlich.

Insgesamt ist die Jugend rundum glücklich: 93 Prozent gaben an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein. Fast ebenso viele sind auch zuversichtlich für die Zukunft.  Sieben von zehn Befragten bewerten die wirtschaftliche Lage ihres Elternhauses als gut und sechs von zehn auch ihre eigene. In Anbetracht dessen, dass sich die meisten Menschen in diesem Alter noch in Ausbildung befinden, ein erstaunlich positiver Wert.