Die EU-Außenminister streiten sich gerade über das Ölembargo gegen Russland, das vor allem Ungarn ablehnt. Sollte es trotzdem kommen, dürfte es die Mieter in Berlin nicht besonders hart treffen. Warum?

Das Öl als Heizmittel sei bereits auf dem Rückzug, nur rund 15 Prozent aller Anlagen in Berlin werden noch mit Öl beheizt, beschwichtigt der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild, in einem Gespräch mit der Berliner Zeitung. Die Ölkunden sollen für die Heizung bereits um 75 Prozent mehr zahlen als noch im Vorjahr.

Was wiederum nicht bedeutet, dass die Verbraucher von Fernwärme und Gas am Ende des Jahres mit vollen Taschen davonkommen werden. „Auch die Fernwärme ist an den Gaspreis gekoppelt, also wird es auch hier höhere Preise geben“, warnt der Sprecher des Mietervereins. Eine Gasheizung hatte im Vergleich zur Versorgung mit Fernwärme schon immer den Vorteil der geringeren laufenden Kosten. Die Fernwärme-Kunden haben wiederum den Vorteil, dass sie zu Hause keine eigene Heizanlage brauchen.

Miet-Nebenkosten: So viel kommt extra auf die Gaskosten drauf

Wird die Gasheizung teurer, sollte die Versorgung mit Fernwärme noch teurer werden. Bei Gas hatte einer der größten Gasversorger in der Hauptstadtregion, Gasag, für 2022 schon zwei Etappen eingeführt. Zum 1. Januar 2022 wurde der Gaspreis um 16 Prozent und zum 1. Mai um weitere 26 Prozent erhöht – zusammen um rekordhafte 42 Prozent. Ob am 1. Januar 2023 schon die nächste Steigerung kommt, bleibt unklar. Über neue „Preisanpassungen“ wolle die Gasag erst im Herbst entscheiden, wie der Sprecher Andreas Wendt auf Anfrage mitteilt. Der bereits erhöhte Gaspreis bleibe dann bis Ende des Jahres stabil.

Der Berliner Mieterverein stellt klar: Diese bereits vollzogene Gas-Preiserhöhung von 42 Prozent betreffe die Heizung und das Warmwasser, weil „die meisten Mieter eine verbundene Heizanlage haben und das Warmwasser ebenfalls über die Heizung hergestellt wird“. Also werden die Gaskosten in der Nebenkostenabrechnung schon sehr vom Warmwasserverbrauch abhängig sein, sagt Reiner Wild. Und welche Kosten entstehen insgesamt?

Wer in eine neue Wohnung einzieht, hat Pech mit der Heizung

„Hier muss man unterscheiden zwischen den Leuten, für die der Vermieter schon vor Jahren einen Vertrag mit der Gasag abschloss, und denjenigen, die neue Verträge erst abschließen“, erklärt Reiner Wild weiter. Schon bei den alten Verträgen seien die Preissteigerungen von insgesamt 42 Prozent erheblich. Wer jetzt einen neuen Vertrag abschließe, von dem werden „deutlich höhere Preise verlangt“.

Das ist gerade für die Neubauwohnungen sehr aktuell. Die Mieter, die in eine neue Wohnung einziehen und öfter eine Gasetagenheizung haben, sollen ihre Verträge direkt mit dem Gaslieferanten abschließen, also werden ihre Heiz- und Warmwasserkosten nicht in der Warmmiete des Vermieters berücksichtigt. „Diese Menschen müssen sehr tief in die Tasche greifen, weil die Gaspreise sich bei den neuen Verträgen im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelten“, sagt der Chef des Berliner Mietervereins.

Die Gasag rechtfertigt das eigene Vorgehen mit höheren Einkaufspreisen, die „inzwischen etwa fünfmal so hoch sind wie vor gut einem Jahr“. Man unternehme aber alles, um die finanzielle Belastung für die Haushaltskunden so niedrig wie möglich zu halten, sagt der Gasag-Sprecher Andreas Wendt dazu. Bestandskunden, die wegen gestiegener Preise in Zahlungsschwierigkeiten geraten würden, räume die Gasag Stundungen und Ratenzahlungen ein.

Nimmt man alle Preissteigerungen zusammen, für die Heizung mit Fernwärme, Gas oder Öl sowie das Warmwasser und Strom, rechnet der Berliner Mieterverein nach eigenen Angaben schon damit, dass sich die Nebenkosten mit der Jahresabrechnung 2022 für die Berliner Mieter mit großer Wahrscheinlichkeit verdoppeln könnten. Die neue Abrechnung würden die Mieter dann im Januar 2023 weitergereicht bekommen.

Stromkosten: Um bis zu 50 Prozent teurer?

Wobei die Preissteigerungen bei Strom geringer ausfallen sollen als bei Gas, prophezeit Reiner Wild. Es könnten 20, 30 oder 50 Prozent Preissteigerung sein – abhängig von dem Stromlieferanten und davon, welche Verträge er mit den Stromlieferanten hat: kurzfristige oder langfristige. Schon jetzt ist der Strom in Deutschland teurer als fast überall auf der Welt.

Für April 2022 sollen die Menschen in Deutschland mit 37,1 Cent bereits um 16 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr. Der Preis für Neuverträge in der Grundversorgung liegt mit 36,06 Cent bei einem Lokalanbieter in Berlin momentan sogar niedriger als bundesweit. Im Moment könnten Mieter durch einen Wechsel zum günstigsten Anbieter noch durchschnittlich 27,35 Euro jährlich sparen.

Es soll allerdings alles freiwillig sein, betont Reiner Wild. Die Vermieter hätten kein Recht, die Mieter präventiv zu höheren Vorauszahlungen zu zwingen, denn die Mieter könnten ihre Vorauszahlungen nur im Zusammenhang mit einer begründeten Abrechnung erhöhen. Also müsse jeder für sich selbst entscheiden, ob er freiwillig eine Erhöhung der Vorauszahlung jetzt vornehmen wolle, damit er bei der Abrechnung zum Jahreswechsel nicht so eine hohe Nachzahlung leisten müsse. Hier gilt der Rat: Das Geld am besten im Voraus zur Seite legen, damit es im Januar 2023 noch da ist.