Ich sitze oft in deutschen Zügen und mache traurige Beobachtungen. ICE, hypermoderner Speisewagen: „Ich hätte gerne einen Kaffee.“ Der Kellner: „Tut mir leid, wir haben kein warmes Wasser!“ Anderer Tag, anderer Speisewagen: „Ich würde gerne etwas essen.“ „Tut mir leid, wir haben keinen Strom. Nur Brote und Kaltgetränke.“ Vor Kurzem stieg ich in einen Zug, in dem es nur noch ein einziges Käse-Schinken-Baguette gab, obwohl er noch gar nicht losgefahren war.

Die Ungarn machen's besser

Höchste Zeit, dass ungarische Kellner das Geschäft übernehmen. Die können alles. Es gibt einen EC von Budapest nach Hamburg mit einem Speisewagen, der immer funktioniert.

Er ist alt, weinrot und etwas plüschig. Auch sind nicht alle der 42 Plätze frei, zehn benötigen die beiden Kellner und der Koch: Ein Vierertisch ist mit Kisten voller Zwiebeln und Kartoffeln belegt. Ein weiterer Vierertisch liegt voller ungarischer Sportzeitschriften. Dort spielt die Crew zwischendurch Karten. Ein Zweiertischchen ist für den Koch reserviert, er muss ab und zu auch etwas essen.

"Läääptop weg!"

Der Ungar herrscht über seinen Speisewagen. Überall hängen Verbotsaufkleber und der Ton ist unmisverständlich. „Häärrr Direktor, dies ist kein Büro, sondern ein Rääästaurant. Läääptop weg.“ Klare Kante, ganz anders als bei der Deutschen Bahn. Dort haben die armen Kellner durch ständiges sich entschuldigen müssen längst eine traurig-defensive Körpersprache angenommen und lassen alles durchgehen.

Rauer Ton, gute Küche. Alles funktioniert. Immer. Der Herd, weil er womöglich mit Holz befeuert wird. Strom und Wasser sind immer da. Und das empfehlenswerte Omelette mit Pilzen ist noch handgemacht und nicht aus Tüte und Mikrowelle.

Zu lange gebraten

Neulich maulte eine Frau herum, ein buntes Wesen um die sechzig, goldene Schühlein, sie telefonierte ständig wegen einer Immobiliensache. „Das Spiegelei ist zu lange gebraten.“ Der Ungar ruckte, machte sich gerade: „Danke, Madame.“ Und im Gehen, zwei Schritte weiter, laut und deutlich: „Selber zu lange gebraten.“

Am Ende wird bezahlt. Ohne Rechnung oder Beleg. Der Kellner blickt an die Decke und nennt eine Summe. Man begleicht anstandslos. Alles ist klar und einfach. Deutsche Bahn, lerne.