Konzernzentrale des Axel-Springer-Verlages in Berlin.
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BerlinDie Bilanz-Pressekonferenz von Axel Springer diesen Mittwoch war eine Premiere. Erstmals hatte der Medienkonzern anlässlich der Veröffentlichung der Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres nicht in sein Verlagshaus in der Berliner Axel-Springer-Straße geladen. Mit dem Coronavirus, wegen dem andere Unternehmen ihre Bilanz-Pressekonferenzen ins Internet verlegen, hatte das nichts zu tun.

Es stand schon länger fest, dass Springer seine Bilanz auf einer Telefonkonferenz erläutern würde. Der Grund dafür war, dass der Berliner Konzern seine Berichtswesen generell zurückfährt. Quartalsberichte wird er künftig gar nicht mehr veröffentlichen. Das muss Springer auch nicht, denn das Medienhaus verabschiedet sich noch in diesem Jahr von der Börse. Hintergrund ist der Einstieg des US-Finanzinvestors KKR, der im großen Stil Springer-Aktien kaufte und nun mit 45 Prozent der Anteile neuer Hauptgesellschafter ist.

Gewerkschaft vermutet großen Stellenabbau -Konzernspitze hüllt sich in Schweigen

Der große Medienhaus wird in eigener Sache also schweigsamer. Streng genommen ist es das jetzt schon: Gegenüber Journalisten wollten sich weder Konzernchef Mathias Döpfner noch sein Finanzvorstand Julian Deutz zu Umfang und Dauer des seit Monaten laufenden Personalabbaus in ihrem Haus äußern. In Gewerkschaftskreisen geht man davon aus, dass 1500 bis 2000 Stellen gestrichen werden.

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Auch zu den geplanten Investitionen des neuen Hauptgesellschafters mochten die beiden nichts sagen. Schließlich erhofft man sich von KKR Investments in Milliarden-Euro-Höhe, die Springer bisher aus eigener Kraft nicht stemmen konnte. Ziel ist es, sowohl weltweit führender Anbieter digitaler Rubrikenmärkte als auch digitaler journalistischer Angebote zu werden.

Immerhin: Etwas Neues hatte Döpfner im Zusammenhang mit bereits bekannten Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro zu verkünden, die Springer in das Konzern-Segment News Media stecken will, in dem die journalistischen Angebote des Unternehmens gebündelt sind. Ein Teil des Geldes soll für „Sport“ aufgewendet werden. Auf Nachfrage präzisierte Döpfner, dass ein Engagement in Sportrechte, in E-Sport und in Sport-Wetten denkbar sei. Bereits in der Vergangenheit hatte Springer Zusammenfassungen von Spielen der Fußball-Bundesliga auf seinem kostenpflichtigen Digital-Angebot Bild plus gezeigt.

2019: Aus ökonomischer Sicht ein durchwachsenes Jahr

Das Geschäftsjahr 2019 bezeichnete der Springer-Chef vor dem Hintergrund des KKR-Einstiegs als ein „ganz besonderes Jahr“. Aus ökonomischer Sicht war es für das Medienhaus eher durchwachsen: Die Erlöse gingen leicht von 3,18 Milliarden auf 3,11 Milliarden Euro zurück. Der operative Konzernüberschuss brach gar um 21,5 Prozent auf 263,7 Millionen Euro ein. Grund hierfür seien vor allem Rückstellungen im Zusammenhang mit dem derzeit laufenden Personalabbau.

Für 2020 rechnet Springer mit stabilen Erlösen. Die Gewinne würden im laufenden Jahr wegen erhöhter Abschreibungen und stärkerer Investitionen weiter zurückgehen. Nicht berücksichtigt sind in dieser Prognose mögliche volkswirtschaftliche Verwerfungen durch das Coronavirus.